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  • Zombie-Projekte: Unsichtbare Produktivitätskiller

    Zombie-Projekte: Unsichtbare Produktivitätskiller

    (© Melanie Vogel) Zombie-Projekte sind formal noch existent, operativ jedoch wirkungslos. Sie sind Produktivitätskiller und genau darin liegt ihre Gefahr. Zu Beginn eines neuen Jahres nehmen sich viele HR-Verantwortliche und Führungskräfte vor, Prioritäten zu schärfen und Ressourcen auf das Wesentliche zu konzentrieren. Doch schon wenige Wochen später zeigt sich in vielen Organisationen ein gegenteiliges Bild: Mitarbeitende arbeiten weiter an Projekten, die faktisch tot sind. Sie kommen nicht voran, haben keine klare Verantwortung und liefern keine relevanten Ergebnisse mehr. Diese Vorhaben werden zunehmend als „Zombie-Projekte“ bezeichnet. Eine aktuelle internationale Studie des Softwareunternehmens Atlassian zeigt, dass dieses Phänomen kein Randproblem ist, sondern strukturelle Ausmaße angenommen hat.

    Was sind Zombie-Projekte?

    Zombie-Projekte sind Initiativen, die:

    • seit Wochen oder Monaten keinen messbaren Fortschritt zeigen,
    • keine eindeutige Projektverantwortung oder Entscheidungsinstanz haben,
    • weiterhin Zeit, Aufmerksamkeit und Energie binden,
    • jedoch keinen erkennbaren Beitrag zu den strategischen Zielen leisten.

    Sie sind formal noch existent, operativ jedoch wirkungslos. Und genau darin liegt ihre Gefahr.

    Belastung für Mitarbeitende und Organisation

    Laut der Atlassian-Befragung von rund 8.000 Büroangestellten weltweit gaben 44 % an, mit solchen Zombie-Projekten ins Jahr 2026 gestartet zu sein. Mehr als ein Drittel der Beschäftigten empfindet diese „Projekt-Leichen“ als konkrete Stressquelle. Sie berichten von:

    • sinkender Produktivität,
    • mentaler Überlastung durch parallele Aufgaben ohne Sinnklarheit,
    • wachsender Erschöpfung bis hin zu Burnout-Symptomen.

    Zombie-Projekte wirken damit wie ein permanenter Hintergrundlärm: Sie verschwinden nicht, fordern aber kontinuierlich kognitive und emotionale Ressourcen.

    Warum es so schwerfällt, Projekte zu beenden

    Die eigentliche Frage ist weniger, ob es Zombie-Projekte gibt, sondern warum sie weiterleben, obwohl ihr Zustand allen Beteiligten bewusst ist. Der Projektmanagement-Experte Antonio Nieto-Rodriguez zeigt in einer Studie aus dem Jahr 2024, dass nur 8 % der Organisationen ihre Projektportfolios monatlich überprüfen. Fast die Hälfte beendet Projekte nur gelegentlich, und 7 % stoppen Projekte grundsätzlich nie. In einem Beitrag für die Harvard Business Review argumentiert Nieto-Rodriguez, dass Unternehmen ohne negative Folgen bis zu 50 % ihrer laufenden Projekte einstellen könnten. Sie tun es aber nicht. Dahinter stehen mehrere psychologische und organisationale Fallen.

    1. Angst vor Gesichtsverlust

    Über ein Drittel der Befragten befürchtet, dass das Beenden eines Projekts als persönliches oder organisatorisches Scheitern interpretiert wird. Stattdessen entsteht eine Art institutionelles Wunschdenken: Solange das Projekt „offiziell lebt“, scheint noch Hoffnung zu bestehen, selbst wenn niemand mehr daran glaubt.

    2. Entscheidungslücken

    Über ein Drittel der Befragten befürchtet, dass das Beenden eines Projekts als persönliches oder organisatorisches Scheitern interpretiert wird. Stattdessen entsteht eine Art institutionelles Wunschdenken: Solange das Projekt „offiziell lebt“, scheint noch Hoffnung zu bestehen, selbst wenn niemand mehr daran glaubt.

    3. Die Sunk-Cost-Falle

    Ein klassischer Denkfehler verstärkt das Problem: Je mehr Zeit und Ressourcen bereits investiert wurden, desto schwerer fällt es, aufzuhören. Das Argument lautet dann: „Wir haben schon so viel investiert, jetzt können wir nicht mehr abbrechen.“ Rational betrachtet ist genau das Gegenteil richtig.

    Die versteckten Kosten lebender Untoter

    Zombie-Projekte verursachen nicht nur Frust, sondern messbare wirtschaftliche Schäden. Atlassians „State of Teams“-Studie zeigt, dass Fortune-500-Unternehmen jährlich rund 2,4 Milliarden Arbeitsstunden mit der Suche nach Informationen verschwenden. Überholte Projekte verstärken dieses Chaos:

    • Projektlandschaften werden unübersichtlich,
    • Prioritäten verlieren an Glaubwürdigkeit,
    • Mitarbeitende wissen nicht mehr, worauf es wirklich ankommt.

    Nieto-Rodriguez betont dabei ausdrücklich: Es geht nicht um Stellenabbau. Es geht um Fokus, Klarheit und Produktivität.

    Konsequenzen für HR und Führung

    Für HR, Organisationsentwicklung und Führungskräfte ergibt sich daraus ein klarer Auftrag:

    • Projektbeendigungen müssen als professioneller Akt etabliert werden – nicht als Makel.
    • Regelmäßige Portfolio-Reviews sollten institutionalisiert werden.
    • Entscheidungsrechte zum Stoppen von Projekten müssen klar definiert sein.
    • Psychologische Sicherheit ist notwendig, damit Mitarbeitende Probleme frühzeitig benennen können.

    Organisationen, die lernen, bewusst loszulassen, gewinnen nicht nur Zeit und Energie zurück, sondern stärken auch Vertrauen, Fokus und Leistungsfähigkeit.

    Fazit

    Zombie-Projekte sind kein Zeichen mangelnder Leistungsbereitschaft, sondern Ausdruck struktureller und kultureller Defizite im Umgang mit Prioritäten und Entscheidungen. Wer sie konsequent identifiziert und beendet, schafft Raum für das, was wirklich Wert erzeugt. In einer Arbeitswelt mit begrenzter Aufmerksamkeit ist das Beenden von Projekten keine Schwäche – sondern eine zentrale Führungsfähigkeit.

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  • Was ist Produktivität?

    Was ist Produktivität?

    (© Melanie Vogel) Produktivität misst den Wert, der durch die Arbeit eines Einzelnen, eines Unternehmens oder einer gesamten Volkswirtschaft geschaffen wird. Sie wird oft als Verhältnis von Output zu Input definiert. Einfach gesagt: Je mehr mit denselben Ressourcen geschaffen wird, desto produktiver ist das System. Auf nationaler Ebene bedeutet hohe Produktivität mehr wirtschaftliches Wachstum und damit auch die Möglichkeit, den Lebensstandard zu verbessern. Für Unternehmen ist sie eine Schlüsselgröße, um wettbewerbsfähig zu bleiben, höhere Gewinne zu erzielen und den Mitarbeitern bessere Gehälter zu zahlen. Stagnierende oder sinkende Produktivität hingegen kann zu wirtschaftlichem Stillstand, geringeren Löhnen und sogar zu sozialen Spannungen führen.

    Arten von Produktivität

    Arbeitsproduktivität ist die gebräuchlichste Kennzahl und misst die Wirtschaftsleistung (z. B. das Bruttoinlandsprodukt, BIP) pro geleisteter Arbeitsstunde. Auf nationaler Ebene wird sie oft berechnet, indem das BIP durch die insgesamt geleisteten Arbeitsstunden geteilt wird.
    Beispiel: Wenn ein Land ein BIP von 1 Billion Dollar hat und seine Bevölkerung 20 Milliarden Stunden gearbeitet hat, beträgt die Arbeitsproduktivität 50 Dollar pro Stunde. Arbeitsproduktivität ist eng mit langfristigem Lohnwachstum und wirtschaftlicher Entwicklung verbunden.

    Kapitalproduktivität zeigt, wie effizient physisches Kapital – wie Maschinen, Gebäude oder Technologie – genutzt wird, um Güter oder Dienstleistungen zu produzieren. Zusammen mit der Arbeitsproduktivität wird sie oft verwendet, um den Lebensstandard eines Landes zu bewerten.

    Total Factor Productivity (TFP) umfasst Wachstum, das nicht durch Arbeits- oder Kapitalinvestitionen erklärt werden kann. Dieser Wert reflektiert Innovationen, technologische Fortschritte und Effizienzsteigerungen. Ein Beispiel dafür ist, wenn Unternehmen durch bessere Prozesse oder den Einsatz von KI mehr schaffen, ohne mehr Arbeitskräfte oder Kapital zu benötigen.

    Herausforderungen seit der Finanzkrise 2008

    Die letzten 25 Jahre waren ein Erfolgsgeschichte für globale Produktivitätssteigerungen. Länder wie China und Indien führten diese Entwicklung an: Chinas Produktivität stieg von 6.000 USD pro Arbeiter im Jahr 1997 auf 40.000 USD im Jahr 2022. Gleichzeitig konnte eine Reihe von Schwellenländern ihre Produktivität signifikant steigern und sich den Industrieländern annähern.

    Trotz dieser Fortschritte hat das globale Produktivitätswachstum seit der Finanzkrise 2008 nachgelassen, insbesondere in Industrieländern wie den USA, Japan und Europa. Zwei Hauptfaktoren spielen dabei eine Rolle:

    • Abnehmende Innovationsschübe: Vor 2008 führte insbesondere die Elektronikindustrie zu großen Produktivitätsfortschritten, doch dieser Trend hat sich verlangsamt.
    • Sinkende Investitionen: Die Krise führte zu Unsicherheit, weniger Nachfrage und einem Rückgang von Kapitalinvestitionen in wichtigen Sektoren.

    Wie Produktivität gesteigert werden kann

    Investitionen in Kapital pro Arbeiter
    Kapitalinvestitionen steigern die Effizienz. Beispiele: Ein Büroangestellter mit einem leistungsstarken Laptop arbeitet produktiver, ebenso wie ein Bauarbeiter mit einem Kran. Sowohl physisches Kapital (z. B. Maschinen) als auch immaterielles Kapital (z. B. Software) spielen eine Rolle. Investitionen in diese Bereiche sind entscheidend, um das Potenzial der Arbeitskräfte zu maximieren.

    Humankapital fördern
    Humankapital bezieht sich auf die Fähigkeiten, das Wissen und die Erfahrung von Arbeitskräften. Bildung, Weiterbildungen und Umschulungen sind unerlässlich, um den Anforderungen moderner Arbeitsmärkte gerecht zu werden. Insbesondere die schnelle Umschulung von Mitarbeitern, deren Arbeitsplätze durch Automatisierung gefährdet sind, hilft, wirtschaftliche und soziale Kosten zu vermeiden.

    Technologische Innovation vorantreiben
    Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) können Produktivitätsschübe auslösen. Generative KI wird beispielsweise in der Softwareentwicklung, im Marketing, im Kundenservice und in der Forschung eingesetzt und könnte bis 2040 jährlich bis zu 0,6 % Produktivitätswachstum ermöglichen. Unternehmen müssen jedoch schnell handeln, um diese Chancen zu nutzen und Arbeitskräfte in produktivere Rollen umzuschulen.

    Fazit

    Produktivität ist nicht nur ein wirtschaftlicher Indikator, sondern ein Schlüssel zu Wohlstand, Chancengleichheit und Klimaneutralität. Die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts können nur bewältigt werden, wenn Unternehmen, Regierungen und Gesellschaften gemeinsam in Menschen, Technologien und Innovationen investieren.

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  • Echte vs. oberflächliche Produktivität

    Echte vs. oberflächliche Produktivität

    (© Melanie Vogel) In der heutigen Arbeitswelt wird Beschäftigtsein oft als Auszeichnung verstanden. Wer viele Meetings hat, ständig auf E-Mails reagiert und keine Zeit für Pausen findet, gilt als produktiv. Doch diese Vorstellung ist gefährlich und irreführend. Die wahre Herausforderung besteht nicht darin, möglichst viel zu tun, sondern das Richtige zu tun. Genau hier setzt der Unterschied zwischen echter und oberflächlicher Produktivität an.

    Die Illusion der Beschäftigung

    Tim Ferriss brachte es mal es provokant auf den Punkt: „Beschäftigtsein ist eine Form von Faulheit: faules Denken und wahlloses Handeln.“ Viele Tätigkeiten dienen eher der Rechtfertigung vor anderen als einem echten Ergebnis. Dazu gehören etwa das häufige Öffnen des E-Mail-Postfachs, das planlose Einstellen von Meetings oder das ständige Umschalten zwischen Aufgaben, auch Task- oder Context Switching genannt. Alles Dinge, die Aktivität suggerieren, aber keinen substanziellen (Mehr-)Wert schaffen.

    Solche Tätigkeiten erfüllen kaum die Kriterien echter Produktivität. Sie sind nicht sinnstiftend, fördern keine persönliche Entwicklung und lassen keinen Raum für tiefe Konzentration. Echte Produktivität hingegen, hier als wertorientierte Produktivität bezeichnet, ist klar an individuellen Werten, Kompetenzentwicklung und dem Zustand des sogenannten Flow ausgerichtet.

    Was echte Produktivität ausmacht

    Wertorientierte Produktivität (engl. Value-Aligned Productivity) ist ein Arbeitszustand, in dem Tätigkeiten im Einklang mit den eigenen Werten stehen, persönliches Wachstum ermöglichen und intensive Konzentration (Flow) fördern. In diesem Zustand kann in einer Stunde mehr erreicht werden als sonst in einem halben Arbeitstag.

    Diese Form der Produktivität erfüllt idealerweise drei Bedingungen:

    • Sinnhaftigkeit: Die Tätigkeit ist im Einklang mit den persönlichen Werten und Zielen.
    • Wachstum: Die Aufgabe fördert Fähigkeiten, Wissen oder Selbstreflexion.
    • Flow-Erleben: Man ist vollkommen vertieft, Zeit und Umgebung treten in den Hintergrund.

    Achtsamkeit als Produktivitätsfaktor

    Ein entscheidender Hebel, um echte Produktivität zu erreichen, ist Bewusstheit. Wer bewusst wahrnimmt, wie und warum er oder sie eine Aufgabe angeht, kann Muster unterbrechen, die nicht zielführend sind. Achtsamkeit entsteht durch Techniken wie Meditation, Journaling oder gezielte Reflexion vor Arbeitsbeginn. Zwei zentrale Ansätze dabei:

    • Intention vor der Aufgabe festlegen: „Ich gehe dieses Meeting spielerisch an.“ Oder: „Ich erledige diese Aufgabe mit maximaler Effizienz.“
    • Reframing während der Aufgabe: Aus „Diese Aufgabe ist sinnlos“ wird „Ich habe Integrität. Ich erledige, was ich zugesagt habe.“

    Diese bewusste Einstellung schützt vor energieraubenden Routinen und ermöglicht eine tiefere, erfüllendere Arbeit.

    Flow-Zustand als Indikator für echte Produktivität

    Die psychologische Forschung, insbesondere von Mihaly Csikszentmihalyi, belegt: Flow-Zustände steigern die Produktivität erheblich. Menschen in Flow sind laut Studien bis zu fünfmal produktiver. Doch Flow lässt sich nicht erzwingen. Er benötigt günstige Rahmenbedingungen. Hier sind einige entscheidende Merkmale, die den Flow-Zustand von der Standardarbeit unterscheiden:

    StandardarbeitFlow-Zustand
    Häufiges Uhren-CheckenZeitgefühl geht verloren
    Ablenkungen durch SmartphoneHandy wird vergessen
    Viele Unterbrechungen und PausenEssen und Trinken werden vergessen
    Ideenfluss stocktKreativität fließt
    Ermüdung nach der AufgabeEnergetisiertes Gefühl trotz Anstrengung
    Widerwillen beim WiedereinstiegVorfreude auf die Fortsetzung

    Die Bürokratie der Ablenkung: Warum moderne Arbeitsplätze Flow verhindern

    Offene Großraumbüros, ständige Notifications, endlose Meetings und eine Kultur der ständigen Erreichbarkeit: All das steht echter Produktivität im Weg. Um diesem Trend entgegenzuwirken, braucht es bewusste Gegenmaßnahmen, um wieder sogenannte “Deep-Work-Phasen” in den Arbeitsalltag zu integrieren:

    • Fokuszeiten blockieren: Im Kalender Zeiten für ungestörte Arbeit reservieren.
    • Benachrichtigungen deaktivieren: Smartphone und Tools wie Slack zeitweise stumm schalten.
    • Rituale etablieren: Immer zur gleichen Uhrzeit mit der wichtigsten Arbeit beginnen.
    • Umfeld gestalten: Türen schließen, Kopfhörer nutzen, Bildschirm leer halten.

    Systeme als Diener, nicht als Diktatoren

    Viele Produktivitätssysteme wirken wie Fremdbestimmung. Dabei sollten Systeme Werkzeuge sein, nicht Selbstzweck. Folgende Arbeits- und Produktivitätsprinzipien helfen, das Individuum und damit die Produktivität wieder in den Mittelpunkt zu stellen:

    • Einzeltasking statt Multitasking: Konzentration auf eine Sache reduziert den sogenannten „Focus-Tax“, also den mentalen Preis für ständiges Aufgabenwechseln.
    • Tiefe Arbeit priorisieren: Rahmenbedingungen für Flow aktiv schaffen.
    • Individuelles Leistungshoch nutzen: Eigene produktive Tageszeiten identifizieren und gezielt nutzen.
    • Externe Aufgaben erfassen: Gedanken und To-Dos systematisch notieren.
    • Pomodoro-Technik einsetzen: Kurze, intensive Arbeitsblöcke trainieren die Konzentrationsfähigkeit.
    • Soziale Ko-Arbeit nutzen: Gemeinsame Arbeitsphasen fördern das Engagement und organisieren gleichzeitig die Teamzeiten.
    • Ergebnisorientierung statt Aktivität: Was wurde erreicht? Nicht: Wie viel Zeit wurde investiert?
    • Kleinschrittig starten: Aufbau nachhaltiger Routinen durch realistische Anfangsziele.

    Fazit: Wertorientierte Produktivität als dritte Option

    Zwischen den Extremen „Hustle Culture“ (immer mehr leisten) und „Work-Life-Balance“ (möglichst wenig arbeiten) bietet die wertorientierte Produktivität einen dritten Weg. Hier geht es nicht um Quantität, sondern um Qualität und Ausrichtung: Arbeiten im Einklang mit den eigenen Werten.

    Die Frage ist nicht: Wie kann ich mehr schaffen?
    Sondern: Wie kann ich das tun, was wirklich zählt und mir dabei selbst treu bleiben?

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  • Produktivität in hybriden Teams

    Produktivität in hybriden Teams

    (© Melanie Vogel) Hybrides Arbeiten hat die Art und Weise, wie Unternehmen und Teams funktionieren, revolutioniert. Es bietet Flexibilität und neue Vorteile, stellt Teams jedoch auch vor Herausforderungen. Wie können hybride Teams ihre Produktivität steigern und gleichzeitig Engagement und Wohlbefinden fördern? Auf Basis von Gallup-Forschungen und bewährten Strategien zeigt dieser Artikel, wie Führungskräfte und Teams hybride Arbeit erfolgreich gestalten können.

    Die Herausforderungen hybrider Teams

    Hybrides Arbeiten verbindet Präsenzarbeit im Büro mit Remote-Arbeit. Während diese Kombination zwar Flexibilität und Work-Life-Balance fördert, entstehen gleichzeitig aber Herausforderungen wie:

    • Koordinationsprobleme durch unterschiedliche Arbeitszeiten und Standorte.
    • Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit und Teambildung.
    • Risiken wie Isolation, geringere Bindung und Burnout.

    Ohne klare Strukturen und Maßnahmen können hybride Arbeitsmodelle die Teamproduktivität negativ beeinflussen. Doch mit gezielter Planung, Koordination, Reflexion und Weiterbildung können diese Risiken minimiert und die Vorteile maximiert werden.

    1. Planung: Erfolgreiche Zusammenarbeit strukturieren

    Hybride Teams benötigen klare Absprachen, um effektiv zu arbeiten. Ein strukturierter Plan – oft als “Teamcharter” bezeichnet – schafft die Basis für Zusammenarbeit:

    • Klare Ziele und Mission: Teams sollten ihre Mission, Ziele, Stärken und Arbeitsweisen definieren.
    • Richtlinien für Zusammenarbeit: Absprachen zu Arbeitszeiten, Verfügbarkeit und On-Site-Tagen fördern die Kohärenz.
    • Abgleich von Flexibilität und Teamprioritäten: Ein Plan hilft, individuelle Autonomie und gemeinsame Ziele in Einklang zu bringen.

    Laut Gallup kann ein durchdachter Plan

    • die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die Zusammenarbeit um das 2,2-Fache positiv beeinflusst wird,
    • die Mitarbeiterbindung um 66 % steigern
    • das Risiko für Burnout um 29 % senken.

    2. Koordination: Effektive Arbeitsweisen etablieren

    Eine gute Planung muss durch eine effektive Koordination ergänzt werden. Die folgenden Best Practices haben sich als besonders wirksam erwiesen:

    • Regelmäßige Meetings: Wöchentliche oder monatliche Check-ins sind entscheidend, um Arbeitsabläufe zu besprechen und die Zusammenarbeit zu optimieren. Die Inhalte der Meetings sollten sich nicht nur auf operative Themen konzentrieren, sondern auch Reflexion und Teambildung umfassen.
    • Verfügbarkeit und Bürozeiten: Richtlinien für Verfügbarkeit und Nichtverfügbarkeiten beinhalten klare Absprachen und verbessern die Zusammenarbeit. Die gezielte Nutzung von Bürozeiten bedeutet, dass im Büro Aktivitäten priorisiert werden, die remote schwerer umsetzbar sind, z. B. Feedbackrunden, Teambuilding oder komplexe Projekte.
    • Flexible Strukturen: Teams sollten On-Site-Tage und hybride Meetingformate individuell anpassen. Dies ermöglicht, dass alle Mitglieder gleichermaßen eingebunden werden.

    3. Reflexion: Regelmäßiges Feedback und Anpassung

    Reflexion und Feedback sind essenziell, um hybride Arbeitsmodelle zu verbessern. Folgende Ansätze fördern eine nachhaltige Weiterentwicklung der Arbeitsmodelle und der Zusammenarbeit:

    • Regelmäßige Feedback-Sitzungen: Teams sollten mindestens vierteljährlich besprechen, was gut funktioniert und wo Verbesserungsbedarf besteht.
    • Individuelles Feedback: Führungskräfte sollten Check-ins mit einzelnen Mitarbeitenden durchführen, um persönliches Feedback zu geben und Entwicklung zu fördern.
    • Feedback zur hybriden Zusammenarbeit: Fragen wie „Was funktioniert gut?“ oder „Wie können wir unsere Zusammenarbeit optimieren?“ sollten regelmäßig diskutiert werden.

    Laut Gallup profitieren Teams, die Feedback als festen Bestandteil ihrer Arbeit sehen, von:

    • einer um 84 % besseren Zusammenarbeit und
    • einer um 50 % höheren Mitarbeiterbindung.

    4. Weiterbildung: Kompetenzen für hybride Arbeit aufbauen

    Weiterbildung ist ein oft vernachlässigter, aber entscheidender Faktor für den Erfolg hybrider Teams:

    • Schulungen für Führungskräfte: Nur 28 % der Führungskräfte erhalten Trainings für hybride Arbeit. Führungskräfte müssen lernen, wie sie hybride Teams effektiv führen und Mitarbeitende motivieren.
    • Training für Mitarbeitende: Nur 21 % der hybrid arbeitende Mitarbeiter sind geschult. Themen wie digitale Tools, Kommunikation und Konfliktmanagement sind zentral.
    • Fokus auf Coaching: Führungskräfte sollten zu Entwicklungs-Coaches werden, die ihre Teams unterstützen und motivieren.

    5. Förderung von Unternehmenskultur und Engagement

    Hybride Arbeit darf nicht auf Kosten der Unternehmenskultur gehen. Strategien, um Kultur und Engagement zu fördern, sind:

    • Werte und Rituale anpassen: Unternehmenswerte sollten in digitalen und hybriden Formaten sichtbar gemacht werden. Regelmäßige Teamevents – sowohl virtuell als auch vor Ort – fördern den Zusammenhalt.
    • Kommunikation als Schlüssel: Offenheit, Klarheit und Aktualität in der Kommunikation schaffen Vertrauen und fördern das Engagement.
    • Anerkennung von Leistungen: Anerkennung sollte sich nicht nur auf Arbeitsergebnisse, sondern auch auf persönliche Erfolge beziehen. Das stärkt das Wohlbefinden und die Bindung an das Unternehmen.

    Fazit: Hybride Teams erfolgreich machen

    Hybride Arbeit ist keine Herausforderung, sondern eine Chance – vorausgesetzt, sie wird strategisch gestaltet. Die Kombination aus Planung, Koordination, Reflexion, Weiterbildung und Kulturförderung bildet die Grundlage für produktive und engagierte hybride Teams. Führungskräfte spielen dabei eine Schlüsselrolle, indem sie klare Strukturen schaffen, regelmäßig Feedback geben und Mitarbeitende gezielt unterstützen. Mit diesen Ansätzen können Unternehmen die Zukunft hybrider Arbeit aktiv gestalten und langfristig von den Vorteilen profitieren.

    Wollen Sie Ihre Belegschaft fit machen für die hybride Arbeitswelt? Dann sprechen Sie uns an.
    Unser Programm “Digitale Basiskompetenzen” – als Work-Hacks in 60-Minuten-Formaten vermittelt – bieten einen optimalen Einstieg und eine perfekte Vertiefung.

  • Produktivität in der Arbeitswelt

    Produktivität in der Arbeitswelt

    (© Melanie Vogel) In der heutigen Arbeitswelt, geprägt von hybriden und Remote-Arbeitsmodellen, stehen Unternehmen vor der Herausforderung, die Produktivität und das Engagement ihrer Mitarbeiter zu fördern und zu erhalten. Eine Studie von McKinsey zeigt, dass mehr als 50 Prozent der Arbeitnehmer einen Rückgang ihrer Produktivität verzeichnen. Diese Entwicklung kann auf verschiedene Faktoren zurückgeführt werden, darunter Unzufriedenheit, Demotivation und die veränderte Arbeitsumgebung.

    Arbeitnehmertypen und ihre Auswirkungen

    Identifiziert wurden verschiedene Arbeitnehmertypen, die jeweils unterschiedliche Auswirkungen auf die Gesamtproduktivität und das Arbeitsklima haben:

    Drückeberger (10% der Belegschaft):

    • Unzufriedene und wenig engagierte Mitarbeiter
    • Planen oft, das Unternehmen zu verlassen
    • Können auch Leistungsträger sein, die von besseren Angeboten angezogen werden

    Manager sollten zwischen zwei Untergruppen unterscheiden:

    • Unzufriedene Leistungsträger, die durch bessere Karrierechancen angezogen werden.
    • Unmotivierte Mitarbeiter, die keinen Beitrag mehr leisten wollen.

    Strategien:
    Unternehmen sollten attraktive Entwicklungsmöglichkeiten und ein wettbewerbsfähiges Vergütungspaket anbieten, um Leistungsträger zu halten.

    Disruptoren (11% der Belegschaft):

    • Nicht nur unproduktiv, sondern aktiv störend
    • Beeinflussen das Arbeitsumfeld negativ durch Frust und Widerstand
    • Können andere Mitarbeiter demoralisieren

    Strategien:
    Es ist entscheidend, die Ursachen der Unzufriedenheit zu analysieren. Disruptoren können zu wertvollen Verbündeten werden, wenn sie umgestimmt werden. Falls dies nicht möglich ist, sollte eine Trennung vom Unternehmen in Betracht gezogen werden.

    Thriving Stars (4% der Belegschaft):

    • Herausragende Leistungsträger
    • Schaffen überproportionalen Wert für das Unternehmen
    • Sind oft überlastet, da sie als erste für neue Projekte herangezogen werden

    Strategien:
    Unternehmen sollten ihre herausragenden Mitarbeiter durch Entwicklungsmöglichkeiten, Wertschätzung und ein nachhaltiges Arbeitsumfeld unterstützen.

    Doppelverdiener (5% der Belegschaft):

    • Rund 5 % der Arbeitnehmer haben zwei oder mehr Vollzeitjobs. Dies kann auf unzureichende Vergütung oder überragende Effizienz hinweisen.

    Strategien:
    Arbeitgeber sollten untersuchen, ob Doppelverdienen ein Symptom struktureller Probleme ist, und gezielte Maßnahmen ergreifen, um engagierte Mitarbeiter zu halten.

    Universelle Prinzipien für Mitarbeiterbindung

    Unabhängig der verschiedenen Typen gibt es grundlegende Prinzipien, welche die Mitarbeiterzufriedenheit verbessern können:

    Authentische Kommunikation

    Führen Sie offene Gespräche mit Mitarbeitern, um deren Engagement und Zufriedenheit zu verstehen. Arbeit sollte als bedeutsam empfunden werden. Hören Sie aktiv zu und zeigen Sie echtes Interesse an den Anliegen der Mitarbeiter.

    Differenzierter Ansatz

    Erkennen Sie die unterschiedlichen Bedürfnisse verschiedener Mitarbeitertypen. Entwickeln Sie maßgeschneiderte Strategien für verschiedene Mitarbeitergruppen. Entwickeln Sie Strategien zur Umstimmung von “Disruptoren” und zur Wiederbindung von “Aussteigern”.

    Proaktives Talent-Management

    Bieten Sie wettbewerbsfähige Vergütungspakete und schaffen Sie klare Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten. Leistung sollte belohnt und wertgeschätzt werden. Erkennen Sie frühzeitig Anzeichen von Unzufriedenheit oder mangelndem Engagement.

    Stärkung der Führungsbeziehungen

    Stärken Sie die Beziehungen zwischen Management und Mitarbeitern, da diese einen signifikanten Einfluss auf das Engagement haben. Schulen Sie Führungskräfte in effektiver Mitarbeiterführung und -motivation.

    Flexibilität und Autonomie

    Gewähren Sie, insbesondere Leistungsträgern, Flexibilität bei der Wahl des Arbeitsmodells (remote, hybrid, vor Ort). Bieten Sie Autonomie bei der Arbeitsgestaltung, um Engagement und Produktivität zu fördern.

    Herausforderungen für das Management

    Die Umsetzung dieser Strategien stellt Führungskräfte vor komplexe Herausforderungen:

    • Balanceakt zwischen Flexibilität und Struktur:
      Es gilt, ein Gleichgewicht zwischen individueller Autonomie und notwendiger Präsenz zu finden.
    • Differenzierte Ansätze:
      Verschiedene Teams, Rollen und Individuen benötigen unterschiedliche Führungs- und Arbeitsmodelle.
    • Kontinuierliche Anpassung:
      Die Arbeitswelt entwickelt sich ständig weiter, was eine fortlaufende Anpassung der Strategien erfordert.

    Fazit

    Es gibt es keine einheitliche Lösung für Produktivitätsprobleme. Die Steigerung der Mitarbeiterproduktivität in modernen Arbeitsumgebungen erfordert ein tiefes Verständnis der verschiedenen Arbeitnehmertypen und ihrer Bedürfnisse. Unternehmen müssen flexible, aber strukturierte Ansätze entwickeln, um das Potenzial ihrer Mitarbeiter voll auszuschöpfen und gleichzeitig ein positives Arbeitsumfeld zu schaffen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Fähigkeit, individuelle Bedürfnisse zu erkennen und darauf einzugehen, während gleichzeitig die übergeordneten Unternehmensziele im Blick behalten werden.

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  • Wie Sie smartere Entscheidungen treffen können

    Wie Sie smartere Entscheidungen treffen können

    (© Melanie Vogel) Entscheidungsfindung ist der Prozess, eine Wahl zu treffen. Klingt einfach, oder? Doch in der Praxis ist es oft alles andere als leicht – insbesondere in einem komplexen organisatorischen Umfeld. Menschen gehen oft große Umwege – und geben ernsthafte Summen Geld aus –, um Entscheidungen zu vermeiden. Selbst scheinbar simple Entscheidungen können schwierig sein. Ein berühmtes Beispiel ist Steve Jobs, der irgendwann beschloss, seine Garderobe auf schwarze Rollkragenpullover zu reduzieren. Laut McKinsey verbringen Führungskräfte durchschnittlich 40 Prozent ihrer Zeit mit Entscheidungen, wobei sie glauben, dass ein Großteil dieser Zeit schlecht genutzt wird. Die Folge? Entscheidungsmüdigkeit – das Gefühl der Erschöpfung nach zu vielen Entscheidungen.

    Die versteckten Kosten ineffektiver Entscheidungen

    Entscheidungsmüdigkeit ist jedoch nicht das einzige Problem. Laut einer McKinsey-Umfrage unter mehr als 1.200 globalen Führungskräften kosten ineffiziente Entscheidungsprozesse ein typisches Fortune-500-Unternehmen rund 530.000 Managertage pro Jahr. Das entspricht etwa 250 Millionen Dollar an Gehaltskosten – eine enorme Verschwendung von Zeit und Geld.

    Wie können Unternehmen effektiver entscheiden?

    Die Einführung agiler Prinzipien kann der Schlüssel sein. Agile Organisationen legen Entscheidungen in die richtigen Hände, reagieren schneller auf Veränderungen und ziehen talentierte Mitarbeiter an, die Eigenverantwortung schätzen. Zusätzlich hilft es, Entscheidungen in drei Kategorien einzuteilen und den Prozess entsprechend anzupassen:

    Strategische Entscheidungen

    Selten, aber risikoreich – z. B. Übernahmen. Sie beeinflussen die Zukunft des Unternehmens und sollten von der Führungsebene getroffen werden. Ein produktiver Ansatz ist es, Debatten anzuregen, indem man Argumente für und gegen eine Entscheidung vorbringt.

    Bereichsübergreifende Entscheidungen

    Häufig und risikoreich – z. B. Preisentscheidungen. Diese Entscheidungen erfordern eine enge Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg. Hier hilft es, Prozesse zu verfeinern und Ziele klar zu definieren.

    Delegierte Entscheidungen

    Häufig, aber risikoarm – z. B. operative Entscheidungen. Diese sollten an Mitarbeiter delegiert werden, die am nächsten an der Arbeit sind. Dies fördert Engagement und Verantwortlichkeit.

    Vier Tipps für bessere Entscheidungen

    Neben der Anpassung der Entscheidungsprozesse können Unternehmen folgende Schritte unternehmen, um schnelle und effektive Entscheidungen zu fördern:

    • Fokus auf entscheidende Entscheidungen: Konzentrieren Sie sich auf Entscheidungen, die wirklich wertschöpfend sind und den Unternehmenszweck unterstützen.
    • Effizientere Meetings: Reduzieren Sie unnötige Meetings und ersetzen Sie sie durch E-Mails. Für wichtige Meetings sollten kurze, gut vorbereitete Vorlagen bereitgestellt werden.
    • Klare Rollenverteilung: Definieren Sie, wer eine Stimme hat und wer mitbestimmen darf. Dies reduziert Verwirrung und beschleunigt Prozesse.
    • Entscheidungsbefugnis nach vorne verlagern: Delegieren Sie Entscheidungen an die Frontlinie und tolerieren Sie Fehler, um die Verantwortlichkeit zu stärken.

    Fazit

    Entscheidungsfindung muss nicht kompliziert sein, doch ineffektive Prozesse kosten Unternehmen viel Zeit und Geld. Mit den richtigen Strategien können Unternehmen Entscheidungen schneller, besser und effizienter treffen. Indem sie Entscheidungsarten klar definieren, agile Prinzipien nutzen und Verantwortung delegieren, können sie nicht nur die Entscheidungsqualität verbessern, sondern auch das volle Potenzial ihrer Organisation ausschöpfen.

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  • Produktivität: Ein Ansatz zur Optimierung von Interaktionen

    Produktivität: Ein Ansatz zur Optimierung von Interaktionen

    (© Melanie Vogel) Unternehmen haben die Kunst unnötiger Interaktionen perfektioniert – mit weitreichenden Folgen. Trotz moderner Technologien und vernetzter Arbeitsstrukturen stehen viele Unternehmen vor einer paradoxen Situation: Die Vielzahl an Meetings und Kommunikationstools führt nicht zu höherer Produktivität, sondern bremst die Entscheidungsfindung und den Innovationsfluss. Häufig liegt das Problem weniger in der Struktur (wer macht was, wer berichtet wem) als vielmehr in schlecht gestalteten und ausgeführten Formen der Zusammenarbeit.

    Produktivität: Hauptprobleme

    Laut einer McKinsey-Umfrage ziehen 80 % der Führungskräfte Änderungen in der Meeting-Struktur in Betracht, da sie zu viel Zeit in ineffektiven Meetings verbringen. Die Ursache liegt oft in einer mangelhaften Gestaltung kollaborativer Prozesse, was nicht nur Zeit, sondern auch wertvolle Ressourcen verschwendet. Zwei Hauptprobleme zeigen sich hier:

    • Technologische Überforderung: Tools wie Zoom, Slack oder Teams fördern Interaktionen, jedoch oft ohne Mehrwert. Qualität und Effektivität der Zusammenarbeit leiden.
    • Ressourcenverschwendung: Zeit für wenig produktive Interaktionen geht zulasten kreativer, wertschöpfender Tätigkeiten.

    Entscheidungsfindung: Entscheidungsrechte klären

    Einer der Schlüsselfaktoren für schnelle, qualitativ hochwertige Entscheidungen darin besteht, genau zu klären, wer die Entscheidungen am Ende tatsächlich trifft. Um hier zur Produktivität zurückzukehren, sollten Sie sicherstellen, dass alle genau wissen, wer ein Mitspracherecht hat, aber kein Stimmrecht oder Vetorecht. Entscheidungsfindung und Zusammenarbeit lässt sich so in drei Hauptkategorien unterteilen:

    Entscheidungsfindung

    • Herausforderung: Unklare Verantwortlichkeiten führen zu langsamen Entscheidungen und Kompromissen in der Qualität.
    • Lösung: Entscheidungsrechte klar definieren. Durch „Rollenkarten-Gespräche“ könnten Verantwortlichkeiten beispielsweiseeindeutig zugewiesen und die Entscheidungsfindung beschleunigt werden.
    • Empfehlung: Nur eine Person sollte letztlich die Entscheidung treffen, während andere Meinungen beratend einfließen. Dies erfordert Mut und Führungsstärke.

    Kreative Lösungen finden

    • Herausforderung: Mikromanagement und Bürokratie behindern innovative Ansätze.
    • Lösung: Innovation kann gefördert werden, indem Mitarbeiter empowert werden, beispielsweise durch agile Strukturen, oder Autonomie und Selbstbestimmung gezielt gefördert und ausgebildet werden.
    • Empfehlung: Führungskräfte sollten hier als Coaches agieren, die den Rahmen vorgeben, ohne zu kontrollieren. Psychologische Sicherheit ist essenziell, um Vertrauen und Eigenverantwortung zu stärken.

    Informationsaustausch

    • Herausforderung: Zu viele Meetings führen zu Erschöpfung und einem Gefühl der Ineffizienz.
    • Lösung: Unternehmen sollten hier Meetings durch kurze Zeitfenster (15–30 Minuten) optimieren und auf Meetings für reine Informationsweitergabe verzichten. Alternativen wie Memos oder Podcasts sparen Zeit und Ressourcen.
    • Empfehlung: Besprechungstage oder meetingfreie Zeiten steigern die Produktivität erheblich. Führungskräfte sollten sich nur an Meetings beteiligen, wenn ihre Anwesenheit für das Ergebnis erforderlich ist.

    Strategien für nachhaltige Verbesserungen

    Effektive Zusammenarbeit erfordert gezielte Maßnahmen:

    • Fokus auf Wirkung: Unternehmen sollten Ergebnisse statt Aktivitäten messen und kommunizieren. Tools wie OKRs (Objectives and Key Results) fördern eine ergebnisorientierte Arbeitsweise.
    • Verbesserung der psychologischen Sicherheit: Mitarbeiter müssen das Gefühl haben, Fehler machen und Fragen stellen zu dürfen. Ein sicherer Raum ist die Grundlage für effektive Interaktionen.
    • Reduktion ineffizienter Meetings: Jede Meeting-Minute sollte kritisch hinterfragt werden, um Zeit für strategische und kreative Arbeit zu schaffen.

    Fazit

    Effiziente Zusammenarbeit ist ein Schlüsselfaktor für Erfolg in der modernen Arbeitswelt. Unternehmen, die gezielt an der Optimierung von Entscheidungsprozessen, kreativer Problemlösung und Informationsaustausch arbeiten, können die Produktivität, Geschwindigkeit und Innovationskraft steigern. Die beschriebenen Ansätze bieten praxistaugliche Inspirationen, um die Zusammenarbeit in Unternehmen nachhaltig zu verbessern.

    Wollen Sie Team- und Unternehmensstrukturen tiefgreifend verändern und die Probleme beim Schopf packen, z.B. durch Einführung von “Lean Communication“?
    Unsere Team-Assessments decken die Kernproblematiken auf, geben konkrete Handlungsempfehlungen und unterstützen bei der Wiederherstellung der Teamresilienz.

  • Warum wir Wertschöpfung neu denken müssen

    Warum wir Wertschöpfung neu denken müssen

    (© Melanie Vogel) Wertschöpfung. Wohlstandsschaffung. Diese Worte klingen kraftvoll und vielleicht denken wir dabei an Finanzen, Innovation oder Kreativität. Aber wer oder was sind die wahren Wertschöpfer? Und: Wenn wir von „Wertschöpfung“ sprechen, implizieren wir damit automatisch, dass einige Menschen keinen Wert schaffen? Wenn ja, wer sind dann diese Couchpotatoes? Die Wertezerstörer? Oder diejenigen, die nur Werte abschöpfen? Um diese Fragen zu beantworten, benötigen wir eine fundierte Theorie des Wertes. Als Gesellschaft haben wir auf diesem Gebiet den roten Faden des Dialogs und der kritischen Auseinandersetzung aktuell längst verloren.

    Warum die Unterscheidung zwischen Wertschöpfung und Wertabschöpfung wichtig ist

    Dazu wäre zunächst eine klare Unterscheidung zwischen Wertschöpfung und Wertabschöpfung notwendig. Ein Beispiel: 2009, kurz nach der globalen Finanzkrise, behauptete der CEO von Goldman Sachs, die Mitarbeiter seiner Bank seien die produktivsten der Welt. Doch diese Aussage wirft Fragen auf. Die Finanzkrise, ausgelöst durch risikobehaftete Finanzprodukte, hatte Millionen von Arbeitsplätzen und Häusern zerstört und erforderte milliardenschwere staatliche Rettungspakete. Was daran war wertschöpfend? Oder beruhte der Auslöser der Finanzkrise 2008 nicht eher auf wertabschöpfenden Handlungen? Die Aussage des CEO von Goldman Sachs wurde damals kaum hinterfragt. Ein Zeichen dafür, wie wenig wir den Begriff „Wert“ kritisch reflektieren.

    Eine Reise in die Vergangenheit der Wirtschaftstheorie

    Vor gut 300 Jahren noch stand die Landwirtschaft im Mittelpunkt der Wertschöpfung. Damals wurde die Gesellschaft in drei Klassen unterteilt: die „produktive Klasse“ der Bauern, die proprietäre Klasse der Händler und die der Landbesitzer, die lediglich Gebühren für die Landnutzung erhoben. Sie betonten damals, wie wichtig es sei, Gewinne wieder in die Produktion zu investieren, um das System am Laufen zu halten.

    Mit der Industrialisierung verlagerte sich der Fokus auf industrielle Arbeit. Ökonomen wie Adam Smith oder Frederick Taylor sahen den Schlüssel zur Wertschöpfung in der Arbeitsteilung und der industriellen Produktion. Doch auch sie warnten davor, dass ein Ungleichgewicht – wie übermäßige Ausgaben für unproduktive Aktivitäten – die Produktionsfähigkeit der Wirtschaft gefährden könnte.

    Der Wandel zur modernen Wirtschaftstheorie

    Mit dem Aufkommen der neoklassischen Wirtschaftstheorie verlagerte sich der Fokus von objektiven Bedingungen der Wertschöpfung hin zu subjektiven Entscheidungen. Individuen werden heute als Akteure dargestellt, die Nutzen maximieren, während Märkte durch Angebot und Nachfrage den Wert bestimmen. Dieser Paradigmenwechsel führte dazu, dass Wert heute oft nur durch Preise und Profite definiert wird – ein Ansatz, der problematisch ist.

    Wie diese Veränderung die Wirtschaft beeinflusst

    Die Art und Weise, wie wir Wert messen, hat erhebliche Konsequenzen. So wird beispielsweise in der Berechnung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nur berücksichtigt, was einen Preis hat. Aktivitäten wie unbezahlte Pflegearbeit bleiben unberücksichtigt, während Umweltverschmutzung das BIP steigern, da für deren Beseitigung bezahlt werden muss. Auch der Finanzsektor wurde bis in die 1970er Jahre kaum ins BIP einbezogen. Erst mit wachsendem Einfluss von Banken und Finanzprodukten wurde dieser Bereich als „finanzielle Vermittlung“ kategorisiert – ohne kritisch zu hinterfragen, wie viel tatsächlicher Wert hier geschaffen wird.

    Ein weiteres Problem ist die mangelnde Reinvestition von Gewinnen in die Realwirtschaft. Viele Unternehmen verwenden ihre Gewinne für Aktienrückkäufe statt für Forschung, Entwicklung oder Ausbildung. Dies hat langfristige Auswirkungen auf Innovation, Beschäftigung und Wirtschaftswachstum.

    Warum wir Wertschöpfung neu denken müssen

    Die Krise im Finanzsektor und die aktuellen Herausforderungen der Wirtschaft zeigen, dass wir eine neue Definition von Wert benötigen. Es reicht nicht aus, bestehende Messgrößen wie das BIP durch zusätzliche Indikatoren wie Glück oder Wohlbefinden zu erweitern. Stattdessen müssen wir uns fragen: Was bedeutet Wertschöpfung wirklich? Und wo wird tatsächlich Wert abgeschöpft?

    Diese Fragen müssen unternehmerisch aber auch gesellschaftlich in einer kritischen Auseinandersetzung geklärt werden, wenn wir – insbesondere in Deutschland – aus dem wirtschaftlichen Tal der Tränen herausfinden wollen.

    Fazit

    Wert ist mehr als der Preis, den wir für ein Produkt oder eine Dienstleistung zahlen. Er entsteht durch Investitionen in Menschen, Innovationen und eine produktive Gesellschaft, in der Arbeit einen Wert hat, den es sich für jeden Einzelnen lohnt, zu erzielen. Es ist Zeit, die Art und Weise, wie wir Wert messen und steuern, neu zu überdenken – nicht nur, um die Wirtschaft anzukurbeln, sondern um eine wertschöpfende Zukunft zu kreieren.

  • Produktivitäts-Irrtum: 3 Gründe

    Produktivitäts-Irrtum: 3 Gründe

    (© Melanie Vogel) Isaac Asimov schrieb mehr als 500 Bücher und hatte – zumindest zum Beginn seiner künstlerischen Tätigkeiten – nur eine einfache Schreibmaschine zur Verfügung. Leonardo da Vinci produzierte 10.000 Seiten mit Ideen und Forschungserkenntnissen und auch er kam ohne moderne technische Hilfsmittel aus. Einige der bahnbrechendsten Erfindungen entstanden zu einer Zeit, als Computer und Internet nicht mehr waren als bloße Science-Fiction. Wären die Erfinderinnen und Erfinder produktiver gewesen, wenn sie Notebooks, Apps und das Internet gehabt hätten? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.

    Mich beschäftigt die Frage der Produktivität im digitalen Zeitalter nun schon eine ganze Weile, denn ich erlebe bei vielen Unternehmen eine stetige Abnahme der Produktivität – bei gleichzeitig steigender Nutzung digitaler und technischer Hilfsmittel.

    Was läuft da schief?

    Im Laufe der Zeit bin ich zu einigen Erkenntnissen gekommen, die sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss sind – aber zumindest eines zeigen: Wir erliegen einem Produktivitäts-Irrtum. Und zwar täglich. Immer wieder. Und das aus (mindestens) drei Gründen.

    Grund Nummer 1:
    Wir erfassen nicht die vollständige Bedeutung von Produktivität.

    Produktivität hat zwei Seiten: Zum einem fällt unter Produktivität das Hervorbringen von konkreten Ergebnissen oder Produkten – also sichtbare Arbeitsergebnisse in Form von Gütern oder Dienstleistungen. Diese Produktivität zu verbessern war schon immer die wichtigste Quelle für Wirtschaftswachstum. Das bewies bereits 1957 der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Robert Solow. Sein „Solow-Modell“ brachte ihm den Nobelpreis ein und der Wirtschaft die Erkenntnis, dass nicht Arbeit und Kapital für dauerhaftes Wachstum sorgen, sondern Produktivitätsfortschritte („technical change“). Heute sind sich fast alle Ökonomen einig, dass der Wohlstand und Reichtum einer Gesellschaft auf lange Sicht eher von der Verbesserung der Arbeitsproduktivität, also von Innovationen, technischem Fortschritt und Verbesserungen im Management, abhängt als von anderen makroökonomischen Faktoren.

    Um genau diese Arbeitsproduktivität verbessern zu können, ist es heute notwendig, auch die andere Seite der Produktivität zu betrachten, nämlich die schöpferische Kraft bzw. Schaffenskraft. Einfallsreichtum, Genialität, Kreativität, aber auch Kommunikation, strategisches Denken, Kooperation – all das ist schöpferische Schaffenskraft und findet in der grauen Masse zwischen unseren Ohren statt. Es ist unser tägliches Handwerkszeug, das wir heute dringender denn je benötigen, um mit schnelllebigen und dynamischen Business-Umgebungen umgehen zu können. Dieses Handwerk kann erlernt werden – und das tun Menschen automatisch von Geburt an. Aber es kann weder beschleunigt, noch durch technische Hilfsmittel angetrieben werden.

    Hier unterliegen wir also unserem ersten Irrtum, wenn wir nach wie vor daran festhalten, Produktivität nur durch technischen Fortschritt erreichen zu können. Ich habe in meinem Buch „Futability®“ auf 350 Seiten durch Dutzende Studien nachgewiesen, dass wir im heutigen Informationszeitalter im Gegenteil regelrecht überfordert sind durch noch mehr und schnellere Technologie, weil wir es versäumt haben, parallel zur technischen Produktivitätssteigerung den Fokus auf die schöpferische Produktivitätssteigerung zu legen – also das Fordern und Fördern von Einfallsreichtum, Kreativität und Kommunikation.

    Mittlerweile bin ich überzeugt davon, dass viele Vordenker und Erfinderinnen und Erfinder aus früheren Zeiten gerade durch die fehlenden technischen Hilfsmittel so unglaublich produktiv sein konnten, weil sie sich ohne Ablenkung voll und ganz auf ihre schöpferische Produktivität konzentrieren und diese schärfen und perfektionieren konnten.

    Grund Nummer 2:
    Wir setzen Produktivität mit Effizienz und Kosteneinsparungen gleich.

    Kulturen, in denen Produktivität und Geldverdienen hoch im Kurs stehen, erzeugen typischerweise ein Gefühl von Zeit- und Leistungsdruck. Den erleben wir zurzeit massiv. In den meisten Unternehmen steht neben einer Digitalisierungsstrategie das Thema Kosteneinsparung ganz oben auf der Agenda. Immer mit dem Ziel, produktiver zu werden. Doch die Rechnung kann nicht aufgehen. Stress und Leistungsdruck töten Kreativität – und damit den zweiten Produktivitäts-Faktor, die schöpferische Leistungskraft. Zahlreiche Studien belegen seit Jahren, dass mit steigender technischer Produktivität nicht gleichzeitig auch die Arbeitsproduktivität gestiegen ist. Hier einige Beispiele:

    Eine internationale Studie von Czipin & Proudfoot Consulting Wien wies schon 2001 erhebliche Reibungs- und Produktivitätsverluste nach und stellte fest: Obwohl das Potential zur Produktivitätssteigerung beispielsweise durch neue Technologien deutlich zugenommen hat, wird es nicht in gleichem Maße genutzt. 39 % der Arbeitszeit, umgerechnet 85 Arbeitstage im Jahr, wird in deutschen Unternehmen unproduktiv verschwendet. Produktivitätskiller sind zu großen Teilen Managementfehler wie „mangelnde Planung und Steuerung“, „mangelnde Führung und Aufsicht“ – aber auch „mangelnde Kommunikation“, „mangelnde Arbeitsmoral“ und „mangelnde Qualifikation“.
    Wissenschaftler der Universität Kalifornien untersuchten vor wenigen Jahren das Phänomen der Störungen. Sie dokumentierten den Arbeitstag von 24 Personen mit der Stoppuhr und fanden heraus, dass die Mitarbeitenden nur ungefähr 11 Minuten ungestört an einer Aufgabe arbeiten können, bevor sie unterbrochen werden. Erst nach ungefähr 25 Minuten können sie zur eigentlichen Aufgabe zurückkehren und brauchen dann noch einmal 8 Minuten, um zur vollen Konzentration zurückzufinden. Schätzungen zufolge kostet das fragmentierte Multi-Tasking allein die amerikanische Wirtschaft rund 650 Milliarden Dollar pro Jahr, Tendenz steigend.

    Und auch hier erliegen wir einem Produktivitäts-Irrtum, wenn wir glauben, mehr Technik, tollere Gadgets, Apps oder Kollaborations-Tools würden diese  Studienergebnisse signifikant verbessern. Die genannten Störfaktoren liegen in den sogenannten „weichen Faktoren“ und damit in der Nicht-Beherrschung unserer ureigenen „Werkzeuge“ wie Kommunikation, Kooperationsfähigkeit, Einfallsreichtum, Kreativität oder strategischem Denken begründet. Diese Kompetenzen werden durch (mehr) Technik nicht gefördert, sondern systematisch unterdrückt und dadurch regelrecht verlernt.

    Grund Nummer 3:
    Die Gründe 1 und 2 sorgen dafür, dass wir uns in einem Wettkampf befinden, den wir drohen zu verlieren. 

    In der Hochzeit des Industriezeitalters kam es auf den effizienten Einsatz von Maschinen und Energie an. Heute zählt vor allem die Arbeitsproduktivität hinsichtlich der Informationsverarbeitung. Die Arbeitsproduktivität hängt von drei Größen ab – plus einer zusätzlichen vierten, die in der heutigen Zeit eine immer wichtigere Rolle einnimmt und nur erfüllt werden kann, wenn die anderen Faktoren der Arbeitsproduktivität erfüllt werden.

    1. Fach- und Methodenkompetenz
    2. Kooperationsfähigkeit
    3. Einsatzbereitschaft/Motivation
    4. Freisetzung von Kreativität und Innovation

    Um die Produktivität der menschlichen Arbeit in der heutigen Zeit optimal zu steigern, müssen diese vier Größen ineinander greifen und sich gegenseitig verstärken. In vielen Unternehmen ist jedoch genau das nicht möglich, weil die Fokussierung auf die Produktivität einseitig verläuft. Wir haben einen antrainierten blinden Fleck, wenn es um die konkrete, systematische Einbindung der menschlichen Schaffenskraft in den Faktor Arbeitsproduktivität geht.

    250 Jahre Industriegeschichte mit unglaublichen technischen Errungenschaften, haben den Blick für die Pionierkraft sowie die Erfinder- und Denkfähigkeiten des Menschen getrübt. Wir haben über 250 Jahre lang gelernt, dass technischer Fortschritt immer auch eine höhere Produktivität nach sich zieht. Den Blick auf den Menschen haben wir dabei verloren.

    In der Folge kommt ein Großteil der Menschen gar nicht in den Genuss, das volle menschliche Potenzial am Arbeitsplatz entfalten zu können, denn viele Bestrebungen in den Unternehmen sind nach wie vor auf den technischen Fortschritt fokussiert – in Zeiten der Digitalisierung mehr denn je.

    Dabei sind wir – und das ist meine feste Überzeugung – an einem Punkt in unserer Entwicklung angelangt, wo es dringend notwendig wird, die Schaffenskraft des Menschen verstärkt in den Mittelpunkt zu rücken und ihr eine deutlich höhere Wertschätzung zukommen zu lassen als bisher, sonst machen wir uns selbst in naher Zukunft überflüssig. Denn den Produktivitäts-Wettkampf mit Kollege Roboter können wir nur gewinnen, wenn wir unsere schöpferische Schaffenskraft zurückerlangen.

    Zukünftig wird es mehr denn je darum gehen, Informationen innovativ und kreativ zu verarbeiten, um Lösungen zu finden für die kommenden gesellschaftlichen Veränderungen, die eine weitere Digitalisierung und Automatisierung der Arbeitswelt aber auch der demografische Wandel mit sich bringen werden. Produktivität wird eine elementare Rolle spielen, wenn es um das Einbinden älterer Menschen in die Arbeitswelt, um das Zusammenarbeiten zwischen Führungskräften und Belegschaft, zwischen Männern und Frauen oder deutschen und ausländischen Menschen geht. Unsere Arbeitswelt wird bunter, vielfältiger – und anders. Es werden die Unternehmen und Nationen gewinnen, die aus dieser Vielfalt und den daraus resultierenden Veränderungen effektiv und effizient Gewinn ziehen und durch eine hohe Produktivität den Wohlstand der Menschen sichern.

    Wenn zukünftig Mensch-Maschinen auch die letzten Reste an Routine-Tätigkeiten erbringen, ist die auf Technologie basierende Produktivitätssteigerung vermutlich ausgereizt. Dann können Wohlstand und Reichtum einer Gesellschaft auf lange Sicht nur durch Innovationen und Verbesserungen im Management erfolgen – also durch den Menschen selbst.

    Der Artikel ist in Teilen ein Auszug aus meinem Buch Futability® – Wie Sie Veränderungen und Transformationen bewältigen und selbstbestimmt gestalten