Schlagwort: Leadership

  • Leadership Factory: Führung im 21. Jahrhundert

    Leadership Factory: Führung im 21. Jahrhundert

    (© Melanie Vogel) Führung im 21. Jahrhundert ist herausfordernder denn je. Globale Krisen, technologische Umwälzungen und ein sich radikal wandelndes Arbeitsumfeld verlangen nach Führungspersönlichkeiten, die nicht nur reagieren, sondern aktiv gestalten. Dieser Artikel beleuchtet die entscheidenden Eigenschaften, bewährte Methoden und ein zukunftsweisendes Modell zur Entwicklung von Führungskräften.

    Die Anforderungen an Führung im 21. Jahrhundert

    Die Erwartungen an moderne Führungskräfte haben sich drastisch gewandelt. Während sich Top-Management-Teams vor einem Jahrzehnt auf vier bis fünf kritische Themen konzentrierten, müssen sie heute gleichzeitig zehn oder mehr Herausforderungen bewältigen. Neben geopolitischen Spannungen und technologischen Disruptionen, wie Generative AI, treten auch neue Anforderungen der Belegschaft nach Flexibilität, Sinnhaftigkeit und Eigenverantwortung in den Vordergrund.

    Persönliche Eigenschaften moderner Führungskräfte

    Basierend auf globalen Analysen und Studien kristallisieren sich sechs Kernkompetenzen heraus, die heutige Führungskräfte auszeichnen sollten:

    • Positive Energie und Inspiration: Die Fähigkeit, Energie aus persönlicher Balance zu schöpfen und diese auf das Team zu übertragen, ist essenziell. Authentizität und Inspiration spielen dabei eine zentrale Rolle – insbesondere in einer postpandemischen, generationsübergreifenden Arbeitswelt.
    • Servant Leadership: Erfolg misst sich nicht am persönlichen Glanz, sondern am gemeinsamen Fortschritt. Die besten Führungskräfte agieren selbstlos und stellen den Zweck der Organisation und die Entwicklung ihres Teams in den Vordergrund.
    • Lernbereitschaft und Demut: Lebenslanges Lernen und die Bereitschaft, sich selbst infrage zu stellen, sind zentrale Erfolgsfaktoren. Führungskräfte, die sich selbst als „Lernende“ statt als „Allwissende“ begreifen, schaffen kulturelle Offenheit und Innovationskraft.
    • Resilienz und Durchhaltevermögen: Resiliente Führung bedeutet, auch in Krisen klare Entscheidungen zu treffen und dabei besonnen zu bleiben. Führungskräfte müssen die besten Ideen erkennen, aber gleichzeitig schwierige Entscheidungen fällen und diese konsequent umsetzen.
    • Humor und Leichtigkeit: Humor ist kein Nice-to-have, sondern ein Produktivitätsfaktor. Teams mit humorvollen Führungskräften arbeiten kreativer, enger zusammen und sind motivierter.
    • Verantwortungsbewusstsein (Stewardship): Gute Führungskräfte denken langfristig und betrachten sich als Verwalter auf Zeit. Ihr Ziel: Das Unternehmen stärker, relevanter und nachhaltiger zu hinterlassen, als sie es übernommen haben.

    Führungspraktiken im 21. Jahrhundert

    Neben den persönlichen Eigenschaften verändern sich auch die Führungsmethoden grundlegend. Die erfolgreichsten Unternehmen etablieren die folgenden Ansätze:

    • Stakeholder-Einbindung auf Augenhöhe: Regelmäßiger, konstruktiver Dialog mit allen relevanten Stakeholdern – von der Belegschaft bis zum Aufsichtsrat – schafft Transparenz, Vertrauen und Innovationskraft. Methoden wie „Premortems“, Red- und Blue-Teams oder Szenarioanalysen unterstützen diesen Prozess.
    • Enroll statt Buy-in: Moderne Führung bedeutet, dass sich Mitarbeitende freiwillig mit der Vision identifizieren. Dies erfordert eine aktive Einbindung in Strategieprozesse und die Schaffung von Bedingungen, die intrinsische Motivation fördern.
    • Geschwindigkeit und Agilität: Hierarchische Strukturen und starre Prozesse sind Auslaufmodelle. Führungskräfte setzen auf schlanke Entscheidungswege, datenbasierte Transparenz und standardisierte, digital gestützte Prozesse.
    • Vertrauenskultur als Fundament: Vertrauen entsteht aus Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit, Nähe und geringer Selbstorientierung. Führungskräfte müssen aktiv daran arbeiten, Vertrauen als kulturellen Kernwert zu verankern.

    Die Leadership Factory – ein strukturiertes Entwicklungsmodell

    Viele Unternehmen scheitern nicht an Strategien, sondern am fehlenden Talent. Um dies zu verhindern, etablieren erfolgreiche Unternehmen systematische Talententwicklungsprogramme – sogenannte Leadership Factories, mit folgenden Eckpfeilern.

    • Definition klarer Leadership-Attribute: Was macht eine erfolgreiche Führungskraft in Ihrem Unternehmen aus?
    • Frühzeitige Förderung: High Potentials werden bewusst in schwierige Situationen gebracht – mit gezielter Begleitung.
    • Skalierung der Entwicklung: Lernprogramme werden personalisiert und von Top-Führungskräften selbst durchgeführt, nicht von HR.
    • Fokus auf Selbstführung: Feedback- und Reflexionsformate helfen jungen Führungskräften, sich selbst besser zu steuern.
    • Individuelle Lernreisen: Module zu Selbstführung, Teamführung und Organisationsführung werden flexibel kombiniert.

    Fazit: Führung neu denken

    Die einzige Konstante für Führung im 21. Jahrhundert ist die Unsicherheit. Traditionelle Führungsprinzipien greifen nicht mehr. Erfolgreiche Führungskräfte von morgen entwickeln gemeinsam mit ihren Teams die neuen Regeln der Führung – kollaborativ, agil und mit einem klaren Wertekompass.

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  • Feed Forward: Eine neue Perspektive auf Feedback

    Feed Forward: Eine neue Perspektive auf Feedback

    (© Melanie Vogel) Feedback ist oft mit negativen Gefühlen verbunden. Viele Menschen haben die Erfahrung gemacht, dass Rückmeldungen zu stark auf vergangene Fehler fokussieren, anstatt hilfreiche Impulse für die Zukunft zu liefern. Genau hier setzt die Methode “Feed Forward” von Marshall Goldsmith an, die einen positiven, zukunftsorientierten Dialog-Ansatz zum persönlichen Wachstum bietet.

    Was ist Feed Forward?

    Feed Forward ist eine Methode, die darauf abzielt, Menschen dabei zu helfen, sich zu verbessern, ohne dabei in der Vergangenheit zu verweilen. Es basiert auf zwei Grundprinzipien:

    • Lernen so viel wie möglich: Jeder kann von anderen lernen, unabhängig von deren Hintergrund oder Erfahrung.
    • Helfen so viel wie möglich: Jeder kann wertvolle Anregungen geben, ohne eine Expertenrolle einnehmen zu müssen.

    Wie funktioniert Feed Forward?

    Die Methode kann in Teams oder großen Gruppen angewendet werden. Jeder Teilnehmer wählt ein persönliches Entwicklungsziel und sagt:

    • “Mein Name ist … und ich möchte besser werden in …”
    • Der Gesprächspartner gibt daraufhin ein oder zwei konkrete Tipps für die Zukunft (ohne Rückblick auf die Vergangenheit).
    • Der Empfänger bedankt sich und das Gespräch wird mit einer neuen Person wiederholt.

    Die Regeln von Feed Forward

    Um das volle Potenzial von Feed Forward auszuschöpfen, gibt es zwei wichtige Regeln:

    • Kein Feedback über die Vergangenheit: Statt sich mit früheren Fehlern oder Leistungen auseinanderzusetzen, liegt der Fokus auf konkreten, umsetzbaren Vorschlägen für die Zukunft.
    • Keine Kritik oder Bewertung: Die gegebenen Vorschläge werden nicht beurteilt, sondern als Geschenke betrachtet. Ein Geschenk weist man nicht ab – man bedankt sich dafür.

    Warum funktioniert Feed Forward?

    Menschen empfinden Feed Forward als positiv, hilfreich und sogar unterhaltsam. Das liegt an mehreren Faktoren:

    • Es ist schnell und effizient: Anstatt lange Diskussionen zu führen, werden direkt umsetzbare Ideen geteilt.
    • Es ist einfach: Die Methode ist leicht zu verstehen und anzuwenden.
    • Es fokussiert sich auf die Zukunft: Niemand wird mit alten Fehlern konfrontiert, sondern erhält motivierende Perspektiven.
    • Es gibt keine Bewertungen: Vorschläge werden nicht kritisiert oder analysiert, sondern einfach anerkannt.

    FAzit

    Feed Forward bietet eine effektive Alternative zum klassischen Feedback, indem es Menschen ermutigt, ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln, ohne sich mit der Vergangenheit zu belasten. Die Methode fördert eine Kultur der Offenheit, des gegenseitigen Respekts und der konstruktiven Zusammenarbeit. Wer die Prinzipien von Feed Forward in seinen Alltag integriert, wird schnell feststellen, dass Verbesserung nicht immer mit Kritik verbunden sein muss, sondern mit positiven Impulsen für die Zukunft.

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  • Rat oder Feedback: Was zieht mehr?

    Rat oder Feedback: Was zieht mehr?

    (© Melanie Vogel) In der heutigen Arbeitswelt wird oft betont, wie wichtig Feedback für die persönliche und berufliche Entwicklung ist. Eine Studie von HBR zeigt jedoch, dass Feedback häufig zu vage oder wenig hilfreich ist und in manchen Fällen sogar negative Auswirkungen auf die Leistung haben kann. Eine bessere Alternative? Statt um Feedback zu bitten, sollten wir gezielt nach Rat fragen.

    Die Forschung dahinter

    In einer Reihe von Experimenten wurde untersucht, wie sich die Art der Anfrage auf die Qualität des erhaltenen Inputs auswirkt. In einem Versuch baten Forscher 200 Personen, eine Bewerbung für eine Nachhilfe-Stelle zu bewerten. Einige Teilnehmer wurden gebeten, “Feedback” zu geben, während andere um “Rat” gebeten wurden. Das Ergebnis: Diejenigen, die um Rat gebeten wurden, gaben deutlich konkretere und umsetzbarere Vorschläge als die Gruppe, die Feedback gab.

    Ein weiteres Experiment mit 194 Berufstätigen zeigte ein ähnliches Muster. Während Feedback oft generelle Aussagen enthielt wie “Gute Leistung ohne Beschwerden”, beinhaltete ein Rat spezifische Verbesserungsvorschläge, etwa “Beim nächsten Mal könntest du häufiger mit der Geschäftsleitung kommunizieren.”

    Warum ist Rat hilfreicher als Feedback?

    Asking for feedback creates a critic. Asking for advice creates a partner. __Shane Parrish

    Der Hauptunterschied liegt in der Wahrnehmung. Feedback ist oft mit Bewertung verbunden, sei es durch Schulnoten oder Mitarbeiterbewertungen. Dadurch konzentrieren sich Feedback-Geber häufig auf vergangene Leistungen und weniger auf mögliche Verbesserungen für die Zukunft. Wenn wir jedoch um Rat bitten, denken unsere Kollegen automatisch mehr in Richtung Zukunft und bieten praxisnahe Vorschläge, die unsere Entwicklung fördern.

    Natürlich gibt es auch Situationen, in denen Feedback besser geeignet ist. Beispielsweise können Anfänger von allgemeinerem, weniger kritischem Feedback profitieren, da zu detaillierte Verbesserungsvorschläge sie entmutigen könnten.

    FAzit

    Ob im Arbeitsalltag oder in der persönlichen Entwicklung: Wer gezielt nach Verbesserung strebt, sollte weniger nach “Feedback” und mehr nach “Rat” fragen. Dieser kleine sprachliche Unterschied kann die Qualität des erhaltenen Inputs erheblich verbessern und den eigenen Fortschritt effektiver unterstützen.

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  • Warum Management langfristig Führung untergräbt

    Warum Management langfristig Führung untergräbt

    (© Melanie Vogel) Management und Führung sind zwei fundamentale Säulen jeder Organisation. Doch oft führt eine zu starke Gewichtung auf das Management dazu, dass Führung, Innovation und Anpassungsfähigkeit langsam, aber sicher verdrängt werden. Dieser Artikel beleuchtet die zentrale Problematik und zeigt auf, wie Organisationen eine Balance zwischen Management und Führung herstellen können.

    Die Spannung zwischen Führung und Management

    Führung wird oft mit der Schaffung neuer Ideen, Visionen und Produkte assoziiert. Sie ist der Motor, der Organisationen innovativ und zukunftsfähig macht. Im Gegensatz dazu konzentriert sich Management darauf, Ordnung und Stabilität durch Prozesse, Systeme und Strukturen sicherzustellen.

    Obwohl Management notwendig ist, um Organisationen effizient zu betreiben, birgt es die Gefahr, dass die kreativen und innovativen Aspekte der Führung in den Hintergrund gedrängt werden. „Chaos often breeds life, when order breeds habit“ – wie der amerikanische Historiker Henry Adams bemerkte. Ordnung führt zu Routine, während Chaos das Potenzial für Wachstum birgt.

    Der Übergang von Führung zu Management

    Viele Organisationen starten mit einer starken Führungsleistung. Eine neue Idee wird entwickelt, getestet und umgesetzt. Mit zunehmendem Erfolg entsteht die Notwendigkeit, die Organisation durch Management zu stabilisieren. Prozesse werden definiert, Strukturen geschaffen, und Effizienz wird priorisiert.

    Genau dieser Übergang birgt Risiken. Die Orchestrierung durch Management verdrängt oft die ursprüngliche kreative Energie. Statt flexibel auf neue Herausforderungen und Veränderungen zu reagieren, geraten Organisationen in eine Routine, die sie anpassungsunfähig macht.

    Gefahren einer Überbetonung des Managements

    Ein übermäßiger Fokus auf Management kann langfristig zu folgenden Problemen führen:

    • Verlust von Innovation: Management priorisiert Stabilität und Kontrolle. Dies kann dazu führen, dass kreative Prozesse vernachlässigt werden.
    • Stagnation: Organisationen, die zu stark durch Management geprägt sind, verlieren oft ihre Anpassungsfähigkeit an sich verändernde Märkte und Anforderungen.
    • Mangel an Flexibilität: Ordnung und Effizienz verdrängen die notwendige Dynamik und das Chaos, die für Wachstum und Innovation erforderlich sind.
    • Schwächung der Unternehmenskultur: Mit abnehmender Führung wird es schwieriger, eine innovative und visionäre Unternehmenskultur aufrechtzuerhalten.

    Die Rolle von Chaos und Veränderung

    Chaos ist ein entscheidender Faktor für Wachstum und Innovation. Es zwingt Organisationen, bestehende Strukturen zu hinterfragen und sich an neue Realitäten anzupassen. Daher ist es wichtig, bewusst Raum für kreative Störungen zu schaffen, um die Innovationsfähigkeit der Organisation zu bewahren.

    Wenn es keine Anzeichen von Chaos gibt, fehlt es wahrscheinlich an Veränderung und Führung. Erfolgreiche Organisationen müssen also einen bewussten Ausgleich zwischen Management und Führung schaffen, um anpassungsfähig und zukunftsfähig zu bleiben.

    Praktische Schritte zur Wiederherstellung der Balance

    Folgende Schritte wären dazu denkbar:

    • Innovation bewusst fördern: Organisationen sollten gezielt Zeit und Ressourcen für innovative Projekte bereitstellen.
    • Veränderung als Kernwert etablieren: Eine Kultur schaffen, die Wandel und Anpassung als zentrale Elemente betrachtet.
    • Führung räumlich und zeitlich verankern: Verantwortliche sollten sich aktiv mit der Entwicklung neuer Ideen und Strategien befassen, anstatt nur bestehende Prozesse zu verwalten.
    • Externe Perspektiven einholen: Berater oder Coaches können helfen, eingefahrene Muster zu durchbrechen und neue Ansätze zu entwickeln.

    FAzit

    Management ist ein wesentlicher Bestandteil jeder Organisation, aber es darf nicht zu Lasten der Führung gehen. Um relevant und wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Organisationen bewusst Chaos und Innovation integrieren. Die Balance zwischen Stabilität und Flexibilität ist entscheidend, um langfristigen Erfolg zu sichern. Führung kräftigt die Vision, während Management diese Vision realisiert – beide müssen im Einklang stehen.

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  • Talent ist der Schlüssel zum Wachstum

    Talent ist der Schlüssel zum Wachstum

    (© Melanie Vogel) Engagierte und leistungsstarke Mitarbeiter sind unerlässlich, um Innovationen, Produktivität und letztlich das Wachstum eines Unternehmens zu fördern. Dennoch sehen viele Organisationen eine erhebliche Lücke zwischen den notwendigen Fähigkeiten ihrer Belegschaft und ihren Wachstumszielen.

    Wie bekommt man ein Team ins Wachstum?

    Führende Unternehmen setzen folgende Maßnahmen ein, um ihre Teams auf Wachstum auszurichten und deren Potenziale voll auszuschöpfen:

    1. Top-Talente identifizieren und neu positionieren

    • Viele Unternehmen belohnen Mitarbeiter basierend auf der Größe des Verantwortungsbereichs oder der Anzahl der direkt unterstellten Personen. Das kann dazu führen, dass die besten Talente in reifen, stabilen Geschäftsbereichen eingesetzt werden.
    • Erfolgreiche Unternehmen hingegen setzen ihre Top-Performer gezielt in Wachstumsbereiche ein, um diese zu stärken und weitere Entwicklung zu ermöglichen. Diese Talente erhalten sichtbare, einflussreiche Rollen.

    2. Eine Kultur der Risikobereitschaft fördern

    • Um innovatives Denken und Wachstum zu fördern, schaffen Spitzenunternehmen eine Kultur der psychologischen Sicherheit. Das bedeutet, dass Mitarbeiter ermutigt werden, kalkulierte Risiken einzugehen, ohne Angst vor übermäßigen Konsequenzen im Falle eines Scheiterns.
    • Fehler werden belohnt, wenn sie schnell und kostengünstig passieren und zu wertvollen Erkenntnissen führen.

    3. Unkonventionelle Talente rekrutieren

    • Unternehmen, die wachsen wollen, gehen über traditionelle Talentpools hinaus und rekrutieren Mitarbeiter aus angrenzenden oder sogar fremden Branchen. Diese bringen neue Perspektiven und innovative Denkweisen ein, die die Entwicklung des Unternehmens ankurbeln können.
    • Es wird darauf geachtet, Teams mit der richtigen Mischung aus Visionären (für die strategische Ausrichtung) und detailorientierten Denkern (für die Umsetzung) zusammenzustellen.

    4. Agilität und Flexibilität im Talentmanagement

    • Hochperformante Unternehmen haben eine agile Organisationsstruktur, die es ermöglicht, Talente schnell innerhalb des Unternehmens zu verschieben. So können Mitarbeiter dort eingesetzt werden, wo sie am meisten Wirkung erzielen können.
    • Flexibilität im Talentmanagement sorgt dafür, dass Lücken schnell geschlossen und Wachstumsinitiativen konsequent vorangetrieben werden.

    Fazit

    Ein Team ins Wachstum zu bringen, erfordert ein gezieltes Management von Talenten:

    • Top-Talente strategisch einsetzen,
    • eine Kultur des Experimentierens schaffen,
    • unterschiedliche Denkweisen einbringen, und
    • Flexibilität und Agilität fördern.

    Diese Ansätze machen den Unterschied zwischen stagnierenden Organisationen und solchen, die ihre Mitarbeiter gezielt als Katalysator für nachhaltiges Wachstum einsetzen.

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  • Fit für Wachstum: Führungsmentalitäten, die wirklich zählen

    Fit für Wachstum: Führungsmentalitäten, die wirklich zählen

    (© Melanie Vogel) Wachstum erfordert die richtige Mischung aus Vision, Strategie und Fähigkeiten. Erfolgreiche Führungskräfte erreichen ihre Ziele, indem sie fünf entscheidende Mentalitäten in konkrete Handlungen umsetzen.

    1. Investieren Sie in Wachstum – auch in turbulenten Zeiten

    Wachstum beginnt mit der Priorisierung langfristiger Ziele und einer konsequenten Ressourcenallokation. Obwohl viele Führungskräfte behaupten, dass Wachstum oberste Priorität hat, zeigt die Praxis oft eine Diskrepanz. Um durch Konjunkturzyklen zu bestehen, ist es essenziell, langfristig zu denken und Investitionen selbst in schwierigen Phasen aufrechtzuerhalten. Erfolgreiche Unternehmen halten regelmäßig Debatten über Fortschritt und Anpassung von Wachstumsinitiativen ab.

    2. Seien Sie mutig und innovativ

    Mutiges Handeln bedeutet, neue Wege zu beschreiten und Risiken einzugehen. Erfolgreiche Unternehmen ermutigen ihre Teams, innovative Ideen zu testen, und sind bereit, Ressourcen schnell neu zu allokieren. Geschwindigkeit hat Vorrang vor Perfektion, insbesondere wenn es darum geht, Marktchancen zu nutzen und erste Vorteile zu sichern.

    3. Stellen Sie den Kunden in den Mittelpunkt

    Kundenzentrierung ist der Schlüssel zu nachhaltigem Wachstum. Unternehmen, die Kundenerfahrungen priorisieren, erzielen doppelt so hohe Umsatzzuwächse wie ihre Konkurrenten. Trotz dieser Erkenntnis setzen nur wenige Unternehmen Kundeneinblicke systematisch um. Erfolgreiche Führungskräfte nutzen moderne Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI), um Kundenbedürfnisse in Echtzeit zu verstehen und innovative Lösungen zu entwickeln.

    4. Bauen Sie ein Dream-Team auf

    Engagierte Mitarbeiter sind das Fundament für Wachstum. Dennoch berichten viele Führungskräfte von signifikanten Kompetenzlücken in ihren Organisationen. Erfolgreiche Unternehmen investieren gezielt in Talente, fördern Top-Performer und suchen unkonventionelle Quellen für neue Mitarbeiter. Eine agile Talentstrategie, die die besten Mitarbeiter in Wachstumsbereiche lenkt, ist entscheidend.

    5. Reduzieren Sie Risiken durch exzellente Umsetzung

    Wachstum erfordert einen robusten operativen Rhythmus, der Initiativen klar steuert und Verantwortlichkeiten definiert. Erfolgreiche Führungskräfte nutzen neue Technologien, um datenbasierte Entscheidungen zu treffen, und etablieren Systeme zur kontinuierlichen Überwachung von Wachstumszielen. Flexibilität und schnelle Anpassung sind entscheidend, um Risiken zu minimieren.

    Fazit: Vom Wollen zum Erreichen

    Wachstum ist kein Zufall, sondern das Ergebnis harter Arbeit, klarer Visionen und konsequenter Umsetzung. Führungskräfte, die pragmatische Schritte mit einem optimistischen Ansatz verbinden, schaffen die Voraussetzungen für nachhaltigen Erfolg. Indem sie ihre Organisationen konsequent auf Wachstum ausrichten, stellen sie sicher, dass diese fit für die Herausforderungen der Zukunft sind.

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  • Verwechseln Sie nicht Ehrgeiz mit effektiver Führung

    Verwechseln Sie nicht Ehrgeiz mit effektiver Führung

    (© Melanie Vogel) Menschen mit ausgeprägtem Führungswillen übernehmen häufig Leitungspositionen. Aber sind sie auch tatsächlich gut in der Rolle? Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass Ehrgeiz zwar eine zentrale Rolle dabei spielt, wer Führungspositionen übernimmt, dieses aber nicht unbedingt mit effektiver Führung gleichzusetzen ist.

    Die Diskrepanz zwischen Ehrgeiz und Führungskompetenz

    Eine weit verbreitete Annahme in unserer Gesellschaft ist, dass ambitionierte Menschen automatisch gute Führungskräfte sind. Doch diese Annahme wurde nun hinterfragt. In einer Studie der Stanford Graduate School of Business mit mehr als 450 Führungskräften, wurden Ehrgeiz und Kompetenzen in zehn Bereichen untersucht. Dazu gehörten unter anderem die Fähigkeiten, andere zu motivieren, kollaborative Arbeit zu managen und Ideen zu kommunizieren.

    Während sich die Probanden selbst als besonders kompetent einschätzten, bewerteten Kollegen, direkte Untergebene und Vorgesetzte ihre Effektivität deutlich kritischer. Besonders auffällig war die Diskrepanz bei sieben der zehn untersuchten Führungskompetenzen. Einzig direkte Untergebene schätzten ambitionierte Führungskräfte in einigen Bereichen, wie der Motivation von Teams, etwas positiver ein.

    Ehrgeiz ist keine Garantie für Effektivität

    Interessanterweise zeigte die Untersuchung, dass ambitionierte Menschen vier- bis zehnmal häufiger glauben, überdurchschnittliche Führungskompetenzen zu besitzen, als weniger ehrgeizige Personen. Dennoch gibt es keinen signifikanten Unterschied in der tatsächlichen Effektivität dieser beiden Gruppen.

    Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass Geschlecht keine Rolle für die Wahrnehmung dieser Diskrepanz spielt. Die Forscher hatten angenommen, dass Frauen ihre Kompetenzen realistischer einschätzen würden, fanden dazu jedoch keinen entsprechenden Nachweis.

    Neue Ansätze zur Führungsauswahl

    Das derzeitige System zur Auswahl von Führungskräften basiert oft darauf, dass sich Menschen selbst für solche Rollen bewerben. Diese Selbstselektion schließt jedoch potenziell hervorragende Führungskräfte aus, die weniger selbstbewusst sind oder nicht aktiv nach solchen Möglichkeiten suchen. Besonders Frauen und andere Personengruppen, die nicht den gängigen Prototypen von Führungspersönlichkeiten entsprechen, verzichten häufig auf eine Bewerbung, selbst wenn sie hochqualifiziert sind.

    Um das zu ändern, empfehlen die Forscher, evidenzbasierte Bewertungsmethoden einzusetzen, wie z. B. 360-Grad-Feedback, um ein genaueres Bild der Fähigkeiten von potenziellen Führungskräften zu erhalten. Darüber hinaus sollten Organisationen aktiv auf talentierte Personen zugehen, anstatt darauf zu warten, dass diese sich selbst für Führungsrollen bewerben.

    Proaktive Rekrutierung von Führungstalenten

    Ein Beispiel für einen proaktiven Ansatz ist das Zulassungsverfahren an der Stanford Graduate School of Business. Hier werden potenzielle Bewerber gezielt angesprochen, um einen breiteren und diverseren Talentpool zu schaffen. Unternehmen sollten ebenfalls daran arbeiten, ihre internen Arbeitsmärkte besser zu managen und sicherzustellen, dass alle qualifizierten Mitarbeitenden bei der Besetzung von Führungspositionen berücksichtigt werden. Anstelle eines „Opt-in“-Systems, bei dem sich nur ambitionierte Personen selbst bewerben, könnte ein „Opt-out“-Ansatz mehr Vielfalt und Qualität in den Auswahlprozess bringen.

    Fazit

    Ehrgeiz allein macht noch keine gute Führungskraft aus. Organisationen müssen ihre Auswahlprozesse überdenken, um ungenutztes Potenzial zu erschließen und eine neue Generation von Führungskräften zu fördern, die nicht nur willens, sondern auch kompetent sind.

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  • Leadership-Entwicklung in VUCA-Zeiten

    Leadership-Entwicklung in VUCA-Zeiten

    (© Melanie Vogel) In Zeiten wachsender Unsicherheit gewinnt die Entwicklung von Führungsqualitäten an Bedeutung. Besonders angesichts einer durchschnittlichen Verweildauer von vier bis fünf Jahren im C-Level müssen Führungskräfte heute eine Vielzahl komplexer Herausforderungen meistern: von der Anpassung an hybride Arbeitsmodelle über die Stabilitätssicherung in Krisenzeiten bis hin zum Talent-Wettbewerb. Doch was all diese Herausforderungen vereint, sind nicht Zahlen oder Marktanteile, sondern Menschen – das zentrale Element erfolgreichen Leaderships.

    Die neue Rolle der Führungskräfte: Menschen im Fokus

    Jede Krise verdeutlicht: Führung bedeutet, Teams auf mehreren Ebenen zu fördern und zu stärken. Moderne Führungskräfte müssen empathische Teamplayer sein, die ihre Teams durch Wandel und Unsicherheit leiten und eine produktive Arbeitsatmosphäre schaffen. Angesichts der sich beschleunigenden Veränderungen ist es keine Frage mehr, ob Unternehmen in Leadership-Programme investieren – sondern wie lange sie ohne diese Investitionen überstehen können.

    Soft Skills – Essentiell in Beruf und Privatleben

    Seit der Pandemie haben sogenannte Soft Skills – Kommunikations- und Empathiefähigkeiten – eine neue Wertigkeit gewonnen. Die Anforderungen an Führungskräfte sind höher denn je, da sie nicht nur ihre Teams, sondern oft auch die gesamte Unternehmensorganisation durch unsichere Zeiten leiten. Laut Umfragen genießen Unternehmen heutzutage das meiste Vertrauen, noch vor Medien, NGOs und Regierungen. Die Rückkehr zur Normalität nach Covid-19 bedeutet jedoch nicht, dass die Herausforderungen abnehmen.

    Global erleben wir signifikante gesellschaftliche und wirtschaftliche Verschiebungen: Die Arbeitswelt verändert sich durch technologische Entwicklungen, wirtschaftliche Unsicherheit und die drängenden Themen Klima, Energie und soziale Verantwortung. Unternehmen, die sich auf kurzfristige Profite fokussieren und die Führungsentwicklung vernachlässigen, setzen das Vertrauen und die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter aufs Spiel.

    Kurzsichtige Entscheidungen gefährden den langfristigen Erfolg

    Obwohl Soft Skills heute in vielen Unternehmen an Bedeutung verlieren, bleibt ihre Wichtigkeit unbestritten. Führungskräfte, die auf Angstmache und Kontrolle setzen, statt proaktiv zu führen, schaffen oft eine toxische Arbeitsatmosphäre. Dies kann die Innovationskraft beeinträchtigen und Mitarbeiter verunsichern, was letztlich zu Unzufriedenheit und Burnout führt. Unternehmen riskieren so, wertvolle Talente zu verlieren und die Leistungsfähigkeit langfristig zu untergraben.

    Zukunftssicherung: Führungskräfte auf allen Ebenen stärken

    Die Entwicklung von Führungskompetenzen darf nicht als kurzfristige Maßnahme verstanden werden, sondern als eine zentrale Investition in den Erfolg des Unternehmens. Es bedarf einer kontinuierlichen Schulung und Förderung, um Führungskräfte auf zukünftige Herausforderungen vorzubereiten. Führungskompetenz muss als strategisches Element betrachtet werden – mit dem Ziel, Teams nicht nur anzuleiten, sondern auch inspirierend voranzugehen. Ein grenzenloser Leader ist in der Lage, seine Vision und Strategie auf alle Ebenen zu übertragen und Teams zu befähigen, den Wandel aktiv mitzugestalten.

    Langfristig orientierte Führungskräfte zeichnen sich durch eine Lernbereitschaft aus, die das Unternehmen nachhaltig stärkt. Sie verstehen, dass das Potenzial ihrer Teams den Erfolg der gesamten Organisation bestimmt und fördern daher die Entwicklung von Talenten und das Wachstum einer dynamischen Unternehmenskultur. Durch eine umfassende Förderung auf allen Ebenen schaffen Unternehmen eine stabile Basis, um auch in unsicheren Zeiten resilient zu bleiben und Chancen zu ergreifen.

    Fazit: Das Potenzial der Leadership-Entwicklung erkennen und nutzen

    Die Geschwindigkeit der Veränderung wird nicht abnehmen – Unternehmen, die dies ignorieren, riskieren, zurückzufallen. Die Förderung von Führungsqualitäten ermöglicht es, proaktiv auf Herausforderungen zu reagieren und Wandel zu gestalten. Letztlich hängt der Unternehmenserfolg maßgeblich von einer nachhaltigen Investition in das Humankapital ab, die Mitarbeitenden und Führungskräften gleichermaßen Raum für Entwicklung und Entfaltung bietet.

    Abschlussgedanke

    Es gibt kein Zurück in eine vermeintlich stabile Vergangenheit. Selbst die besten Führungskräfte wissen: Wachstum ist stets möglich – für sie selbst und ihre Teams. Die Entwicklung von Führungsqualitäten ist mehr als eine Reaktion auf den Wandel; sie ist der Schlüssel, um aktiv die nächste Entwicklungsphase des Unternehmens mitzugestalten.

  • Konstruktive Paranoia

    Konstruktive Paranoia

    (© Melanie Vogel) Der Begriff der konstruktiven Paranoia wurde von Jared Diamond in seinem Buch „The World Until Yesterday“ geprägt. Seine Beobachtung: Menschen in der westlichen Gesellschaft neigen dazu, die Auswirkungen von Ereignissen, die sich ihrer Kontrolle entziehen, zu übertreiben und die Auswirkungen von Ereignissen, die sie selbst kontrollieren können, zu unterschätzen. Die Variablen Zeit und Häufigkeit sind bei dieser Form der Risikoabschätzung relevant, denn sie verändern die gesamte Risikoperspektive von Grund auf.

    In Seminaren habe ich standardmäßig eine Übung eingebaut, in der es darum geht, dass die Teilnehmenden reflektieren, wo ihr Handlungsspielraum anfängt und endet. Denn dort, wo wir das Gefühl haben (oder auch durch Erfahrung lernten), dass wir Dinge und Situationen kontrollieren können, können wir pro-aktiv werden und z.B. Risiken minimieren, bewusste Entscheidungen treffen oder zielführend Komplexität reduzieren.

    Tatsächlich stellt diese Übung für die meisten Teilnehmenden jedes Mal eine große Herausforderung dar, denn im Alltag wird nur höchst selten über den eigenen Handlungsspielraum reflektiert. Viel stärker liegen Fokus und Stress auf genau den neuralgischen Punkten, an denen die Menschen – egal ob Mitarbeitende oder Führungskräfte – sowieso nichts ändern können.

    Die Aufregung über Regulatorien ist beispielsweise im Regelfall sehr hoch. Der Erregungszustand über das teameigene Mikromanagement hält sich allerdings in Grenzen, denn das wird als normal wahrgenommen. Tatsächlich sollte die Wahrnehmung umgekehrt sein. Die vom Team selbst geschaffenen Regulatorien sind für das Team (und damit auch für das gesamte Unternehmen) viel gefährlicher als Vorgaben, die beispielsweise von der Politik geschaffen werden. Dass die Politik überbürokratisiert, ist mittlerweile normal und ein sicheres Zeichen für ein brechendes System. Überbordendes Kontrollverhalten im Team ist nicht normal – führt aber genauso zielsicher zu brechenden Systemen.

    Konstruktive Paranoia hilft, diese Fehleinschätzungen zu erkennen, denn es beschreibt den innerlich empfundenen Respekt vor Gefahren mit geringem Risiko, denen man allerdings häufig ausgesetzt ist. Durch die Häufigkeit ändert sich der Grad des Risikos von niedrig zu hoch. Daher ist es wichtig zu erkennen, dass scheinbar risikoarme Tätigkeiten, wenn sie häufig ausgeführt werden, zu hochriskanten Aktivitäten werden können.

    Diese Form des Risikos bleibt dem rationalen Verstand meist verborgen. Intuitiv sind allerdings fast alle Menschen in der Lage, diese Risiken zu erkennen. Das Bauchgefühl täuscht hier selten, allerdings wird es von der Umwelt häufig abwertend als „irrational“ abgestuft.

    Weil es sich um ein Bauchgefühl handelt, das diese Form von Risiken intuitiv selektieren kann, fehlen vor allem im Unternehmenskontext häufig Zahlen, Daten, Fakten und eine sachliche Begründungsstrategie, weswegen dem „irrationalen Bauchgefühl“ in vielen Fällen nicht gefolgt wird. So entstehen im Unternehmenskontext schwerwiegende Fehlentscheidungen, die wiederum hohe Risiken in sich tragen.

    Wer also intuitiv versteht, dass Mikromanagement im Team eine Vollkatastrophe ist, müsste Zahlen und Begründungen vorlegen können, warum das so ist. Diese fehlen. Auch für mein Buch „Raus aus dem Mikromanagement“ war es schwierig, an verlässliches Datenmaterial zu kommen. Mit viel Recherche ist es mir gelungen, doch die Zeit dafür wird im Unternehmenskontext kaum eine Führungskraft aufbringen (können).

    Die Ärgernisse, die politische Regulatorien verursachen, liegen im Regelfall allerdings klar auf der Hand. Sie sind oft so brutal undurchdacht, ziehen einen Rattenschwanz an Veränderungen im Unternehmen nach sich und jedem ist klar: Hier werden Zeit und Geld für etwas investiert, dessen positive Auswirkungen vermutlich als minimal einzustufen sind. Als Beispiel sei hier einfach mal die DSGVO genannt… Aktuelle Beispiele kann sich der geneigte Leser/die geneigte Leserin selbst heranziehen. Es gibt derzeit genügend…

    Was verursacht die fehlgeleitete konstruktive Paranoia?

    Mehrere Aspekte führen dazu, dass Menschen Risiken, die sich aus den Faktoren Zeit und Häufigkeit ableiten könnten, falsch einschätzen.

    • Fehlendes Kontextverständnis: In der hochkomplexen Welt, in der wir uns bewegen, benötigen wir die Fähigkeit, eine Situation im Kontext betrachten zu können. Zeit und Häufigkeit sind zwei von vielen Situationsparametern, die Klarheit über das Umfeld geben, in welches eine Situation oder eine wiederkehrende Handlung eingebettet ist. Kontextverständnis wird in den gängigen Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen kaum gelehrt.
    • Verfügbarkeitsheuristik: Hierunter versteht man die Fähigkeit von Menschen, Ereignisse je nach ihrer Verfügbarkeit in Erinnerung behalten zu können. Wenn sich Menschen beispielsweise an ein spektakuläres Ereignis erinnern, so halten sie dieses grundsätzlich für wahrscheinlicher, als Alltagsereignisse, die so routiniert ablaufen, dass man sich häufig nicht an sie erinnert. Eine politische Regulation ist spektakulärer als die alltägliche „Nur-über-meinen-Schreibtisch-Mentalität“. Die relative Häufigkeit wird hier im Regelfall falsch eingeschätzt, weil der Sensationscharakter zu einer kognitiven Verzerrung führt.
    • Optimismusverzerrung: Hier überschätzen Menschen die Wahrscheinlichkeit des Eintritts von guten Ereignissen und unterschätzen gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit des Eintritts von schlechten Ereignissen. Hieraus folgen häufig Fehlplanungen (z.B. bei großen Bauprojekten) oder ein ausgeprägtes Fehlverhalten (z.B. in Gesundheitsfragen). Der Grund für diese Verzerrung basiert auf der Motivation, bestimmte Ziele erreichen zu wollen. Diese Motivation verbessert die Selbstwahrnehmung und verringert die Angst. Wenn jetzt noch eine hohe wahrgenommene Kontrolle über die Situation hinzukommt, ist die Optimismusverzerrung umso stärker.
    • Begrenzte Rationalität: Anders als viele Generationen lang gelehrt, weiß man heute: der Mensch ist nicht in erster Linie ein rationales, sondern ein irrationales Wesen. Wir lassen uns zuerst von Emotionen und dann (mit viel Glück und Selbstbeherrschung) vom Verstand leiten. Wir haben folglich kognitive Grenzen und können nur innerhalb der Grenzen unseres Wissens und des Kontexts, in dem wir uns befinden, rationale Entscheidungen treffen.
    • Mediale Kakophonie: Die Medien sind zumindest teilweise für die genannten mentalen Abkürzung verantwortlich, da sie – sensationsbedingt – Risiken, die nicht kontrolliert werden können und sehr selten sind, überbewerten. Aufsehenerregende Anomalien lösen halt deutlich mehr Klicks aus als die Alltagsrisiken, denen wir alle ausgesetzt sind.

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  • Mikromanager managen

    Mikromanager managen

    (© Melanie Vogel) Mikromanagement – der innere Drang der „Alles-über-meinen-Schreibtisch“-Kontrolle – ist weit verbreitet. Die hohe Veränderungsdynamik der VUCA-Welt, persönlicher Stress und zu viele (unfertige) Change-Prozesse begünstigen eine Kontroll-Kultur, die weder den Mikromanagern, noch den Mitarbeitenden oder Kolleginnen und Kollegen Freude bereitet.

    In den meisten Fällen sind Mikromanager keine schlechten Menschen. Wenn sich andere kontrollierend in Ihre Arbeit einmischen, liegt das nicht immer daran, dass diese Ihnen nicht vertrauen, und auch nicht daran, dass Sie Ihre Arbeit nicht machen. Viel häufiger liegt es daran, dass sie sich die mikromanagenden Menschen selbst nicht sicher genug fühlen, um die Kontrolle loszulassen, und dass sie die Auswirkungen ihrer überbordenden Kontrolle nicht verstehen.

    Die Folgen können unglaublich schädlich sein. Menschen müssen die Freiheit haben, sich selbst herauszufordern und über ihre Grenzen hinauszugehen, wenn sie wachsen und sich entwickeln sollen. Mikromanagement nimmt ihnen die Autonomie und garantiert, dass sie niemals Spitzenleistungen erbringen werden. Die Mitarbeitenden werden schnell unmotiviert und entmutigt, wenn man ihnen die Möglichkeit zur Selbstbestimmung nimmt.

    DIE AUSWIRKUNGEN AUF DEN MIKROMANAGER

    So schlimm es sich anfühlt, permanent kontrolliert zu werden, so schlimm ist es für den mikromanagenden Vorgesetzten aber auch. Es ist schon herausfordernd genug, die eigene Arbeit auf hohem Level zu erledigen, ohne dass man parallel versucht, die Arbeit anderer Leute zu managen. Die Angst vor Fehlern, eigene (Führungs-)Unsicherheit, persönlicher Stress und die Unfähigkeit, nicht abschalten und reflektiert einen Schritt zurückzutreten, erhöhen den Arbeitsdruck immens. Das Loslassen von Arbeit und Verantwortung ist für mikromanagende Menschen beängstigend und unangenehm, daher ist es wichtig, ein wenig Verständnis und Einfühlungsvermögen aufzubringen, auch wenn die unangemessene Aufsicht und die unerwünschten Eingriffe belasten.

    BEGINNEN SIE MIT VERTRAUEN

    Mikromanager haben oft Schwierigkeiten, anderen Menschen zu vertrauen. Nicht, weil sie den anderen Menschen per se misstrauen, sondern weil sie häufig durch persönliche Erfahrungen, innere Ängste oder Unsicherheiten nicht gelernt haben, eigenes Vertrauen aufzubauen und demzufolge auch Vertrauen in andere Menschen zu setzen.

    Was also können Sie tun, wenn sie Mikromanagerinnen und -manager in ihrem Arbeitsumfeld haben? Warten Sie nicht, bis man Ihnen Vertrauen ausspricht (unter Umständen warten Sie bis zum Stankt-Nimmerleins-Tag …), sondern bauen Sie aus sich heraus Vertrauen auf, indem Sie konsequent Ergebnisse liefern. Wenn Sie das tun, schaffen Sie die Grundlage dafür, dass Sie mit Ihrer Führungskraft klar vereinbaren können, wo Ihre Aufgabe endet und die Ihrer Führungskraft beginnt.

    Wenn Ihre Führungskraft mit der Zeit darauf vertraut, dass Sie Ihre Aufgaben erfüllen, wird sie sich eher zurückhalten, wenn Sie ihr gelegentlich einen kleinen Schubs geben und sie bestimmt aber freundlich daran erinnern, dass das Vertrauen in Sie gut investiert ist. Also, keine Überraschungen. Geben Sie Ihrer Führungskraft das Gefühl, gut informiert zu sein, und kommen Sie allen größeren Risiken oder Problemen, die auftreten könnten, zuvor.

    WIE MAN RESPEKTVOLL GRENZEN SETZT

    Es gibt einige einfache Möglichkeiten, die Sie ausprobieren können, um einem mikromanagenden Menschen Grenzen zu setzen, wenn dieser darauf besteht, sich bis ins kleinste Detail in Ihre Arbeit einzumischen.

    Beginnen Sie mit nicht-konfrontativen Aussagen wie: „Ich habe das unter Kontrolle und bin zuversichtlich, dass ich die Fristen einhalten werde. Ich werde Sie auf jeden Fall benachrichtigen, wenn sich daran etwas ändern sollte, damit Sie Gewissheit haben.“

    Alternativen dazu wären zum Beispiel:

    • „Bitte vertrauen Sie mir in dieser Sache.“
    • „Sie können sich darauf verlassen, dass ich die vereinbarten Ziele kenne. Ich bin zuversichtlich, dass ich sie erreichen werde.“
    • „Das Projekt ist auf dem richtigen Weg. Sie brauchen sich in dieser Phase keine Sorgen zu machen.“

    WENN DER MIKROMANAGER DIE GRENZSETZUNG NICHT ANNIMMT

    Wenn das nicht zum gewünschten Ergebnis führt, sollten Sie ein tiefergehendes Gespräch führen. Dazu stellen Sie am besten Suggestivfragen, wie z. B.:

    • „Was kann Ihnen die Gewissheit geben, dass ich die Arbeit im Griff habe?”
    • „Gibt es irgendetwas, das Sie von mir sehen müssen und das Sie im Moment nicht sehen, um mir vertrauen zu können?“
    • „Was muss ich für Sie tun, was ich im Moment nicht tue?”

    Auf diese Weise können Sie Ihren Chef auffordern, Ihnen Feedback zu geben. Manchmal gefällt Ihnen die Antwort vielleicht nicht, aber zumindest haben Sie dann eine bessere Vorstellung davon, wo das mögliche Grundproblem für das mikromanagende Verhalten liegen könnte.

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