Polyworking: Mehrfachbeschäftigung wird zum Risiko

(© Melanie Vogel) Eine aktuelle Umfrage zeigt: 47 % der US-Arbeitnehmer haben mittlerweile mehr als einen Job. Dieses Phänomen wird als Polyworking bezeichnet und geht deutlich über klassische Nebenjobs hinaus. Laut der Monster 2025 Polyworking Survey, für die rund 800 Beschäftigte befragt wurden, arbeiten viele Polyworker parallel in mehreren anspruchsvollen Rollen – teils sogar in mehreren Vollzeitstellen gleichzeitig. Knapp die Hälfte der Befragten kombiniert einen Vollzeitjob mit zusätzlichen Teilzeitstellen, während 12 % mehr als einen Vollzeitjob ausüben. Der Trend deutet auf eine strukturelle Verschiebung im Arbeitsmarkt hin, ausgelöst durch finanzielle Belastungen und wirtschaftliche Unsicherheit.

Finanzielle Notwendigkeit statt Lifestyle-Entscheidung

Für die Mehrheit der Betroffenen ist Polyworking keine freiwillige Karriereoption, sondern eine existenzielle Notwendigkeit:

  • 51 % geben an, dass das zusätzliche Einkommen absolut notwendig ist, um monatliche Grundkosten zu decken
  • 68 % nutzen Zweit- oder Drittjobs zur Finanzierung von Lebenshaltungskosten
  • 46 % setzen das zusätzliche Einkommen gezielt zur Schuldentilgung ein
  • 47 % verfolgen damit das Ziel größerer finanzieller Unabhängigkeit und Flexibilität
  • 59 % würden bei Bedarf sogar mehrere Vollzeitjobs annehmen
  • 38 % planen Polyworking langfristig
  • Nur 31 % betrachten es als Übergangslösung

Signalwirkung für Arbeitgeber

Polyworking ist kein kurzfristiger Trend der Gig Economy, sondern ein Warnsignal für Arbeitgeber: Wenn fast die Hälfte der Beschäftigten mehrere Jobs managt, zeigt das tief verwurzelte Sorgen über Einkommen, berufliche Perspektiven und Sicherheit.

Für Unternehmen bedeutet das: Klassische Annahmen über Loyalität, Engagement und finanzielle Stabilität von Mitarbeitenden greifen zunehmend zu kurz. Vergütung, Arbeitsmodelle und Jobdesign stehen auf dem Prüfstand.

Negative Auswirkungen auf Organisationen und Mitarbeitende

So nachvollziehbar die Motive der Beschäftigten sind, die Folgen für Unternehmen können gravierend sein:

  • Erhöhtes Burnout- und Stressrisiko
  • Verschlechterte physische und psychische Gesundheit
  • Sinkende Arbeitszufriedenheit und Motivation
  • Produktivitätsverluste
  • Höhere Fehlzeiten
  • Sinkende Mitarbeiterbindung
  • Ansteckend wirkende Demotivation im Team
  • Steigende Fluktuation

Besonders kritisch: Mitarbeitende, die kündigen und hinterlassen Arbeitslasten bei den Verbleibenden – häufig ohne zusätzliche Vergütung. Laut der Monster-Studie kann sich dies schnell zu einem kulturellen Problem auswachsen.

Fazit

Polyworking ist kein Randphänomen, sondern ein Symptom struktureller ökonomischer Spannungen. Für Unternehmen ist es ein klarer Indikator dafür, dass Vergütungsmodelle, Jobsicherheit und Arbeitsorganisation nicht mehr mit der Lebensrealität vieler Beschäftigter Schritt halten. Wer jetzt nicht handelt, zahlt später – finanziell, kulturell und strategisch.

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