Die Erschöpfungskrise

(© Melanie Vogel) Zum Ende des Jahres 2025 kristallisierte sich ein Thema klar heraus: Erschöpfung in der Arbeitswelt. Burnout entwickelte sich zum Dauerbrenner in HR-Diskussionen – und das auf allen Ebenen. Operative Mitarbeitende kämpften mit Überlastung, während HR-Funktionen selbst zunehmend an ihre Grenzen gerieten. Die Belegschaften wirkten vielerorts ausgelaugt. Die Ursachen waren vielschichtig: Mitarbeitende, die nach Entlassungswellen ohne ausreichende Unterstützung zurückblieben, hohe tägliche Arbeitsintensität mit dem Gefühl, „verbraucht“ in den Feierabend zu gehen sowie technologische Umbrüche, bei denen insbesondere KI nicht entlastend, sondern stressverstärkend wirkte. In der Summe fühlten sich viele Beschäftigte schlicht arbeitsmüde.

„Fatigue“ als Stimmungsbarometer der Arbeitswelt

Die Karriereplattform Glassdoor erklärte „Fatigue“ (Erschöpfung) zum Wort des Jahres. Erwähnungen des Begriffs stiegen innerhalb der Community um 41 % – ein deutliches Signal für die kollektive Stimmungslage. Bereits in einer Befragung im Frühjahr 2025 gaben 78 % der Teilnehmenden an, dass Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Technologie ihre Energie bei der Arbeit spürbar beeinträchtigen. Diese Erschöpfung erwies sich nicht als kurzfristige Phase, sondern als anhaltender Zustand.

Drei Haupttreiber der Arbeitsmüdigkeit

1. Politik als Dauerstress im Arbeitsalltag
Politische Themen ließen sich kaum noch aus dem Arbeitsumfeld ausklammern. Gespräche über politische Entwicklungen fanden – gewollt oder ungewollt – Eingang in den Büroalltag. Erwähnungen politischer Schlüsselereignisse nahmen teils um ein Vielfaches zu.
Die Forschung zeigt: Politische Gespräche am Arbeitsplatz wirken ambivalent. Sie können verbinden, erzeugen aber häufig Spannungen, emotionale Erschöpfung und Konflikte – insbesondere bei Mitarbeitenden, die diese Themen eigentlich vermeiden möchten.

2. Wirtschaftliche Unsicherheit und Stagflation
Makroökonomische Sorgen prägten das Jahr deutlich. Der Begriff Stagflation wurde mehr als dreimal so häufig genannt wie im Vorjahr. Beschäftigte äußerten Frustration darüber, dass Gehälter nicht mit der Inflation Schritt hielten. Gleichzeitig blieb die Angst vor einer Rezession dauerhaft präsent. Diese Kombination aus steigenden Lebenshaltungskosten und stagnierender Vergütung verstärkte Gefühle von Ohnmacht und Zukunftssorge.

3. KI-Dynamik und Überforderung im Arbeitsmarkt
Der rasante Fortschritt im Bereich Künstliche Intelligenz entwickelte sich zu einem weiteren Stressfaktor. Neue Begriffe, Rollenanforderungen und Kompetenzprofile entstanden in kurzer Zeit. Viele Beschäftigte empfanden den Wandel als zu schnell, unübersichtlich und bedrohlich für die eigene Beschäftigungsfähigkeit.
Parallel dazu nahm die Frustration bei der Jobsuche zu. Sorgen um Arbeitsplatzsicherheit und Relevanz im KI-Zeitalter führten zu mentaler Überlastung.

Umgang mit Burnout Psychologisch fundierte Ansätze

Zur Bewältigung von Erschöpfung werden zwei zentrale Strategien empfohlen:

  • Aufmerksamkeitslenkung: Der bewusste Fokus auf kleine Fortschritte und positive Aspekte hilft, das Gefühl permanenter Überforderung zu reduzieren. Es geht nicht um Verdrängung, sondern um emotionale Balance.
  • Kognitive Neubewertung: Herausforderungen werden nicht ignoriert, sondern in einen größeren Zusammenhang eingeordnet. Diese Perspektivarbeit stabilisiert in Phasen hoher Unsicherheit.

Ergänzend wird der offene Dialog mit Führungskräften als entscheidender Hebel gesehen. Gespräche über Arbeitsbelastung, Pausen und Prioritäten können Führungskräfte zu aktiven Unterstützern machen – ein zentraler Faktor für Prävention.

Ausblick: Erschöpfung bleibt – Isolation muss es nicht

Die Daten zeigen klar: Arbeitsmüdigkeit wird nicht über Nacht verschwinden. Doch 2025 machte ebenso deutlich, dass Mitarbeitende dieser Belastung nicht allein begegnen müssen.

Ob politische Spannungen, KI-Veränderungen oder wirtschaftliche Sorgen – Austausch, soziale Unterstützung und geteilte Erfahrungen wirken entlastend. Organisationen, die Räume für Dialog, Transparenz und psychologische Sicherheit schaffen, stärken nicht nur die Resilienz ihrer Mitarbeitenden, sondern auch ihre eigene Zukunftsfähigkeit.

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